Grüne Europagruppe Grüne EFA

Forderungen, die hiesige landwirtschaftliche Produktion wegen der Ausfälle durch den Ukraine-Krieg zu intensivieren, gehen in eine völlig falsche Richtung, meint Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen im Europäischen Parlament und Mitglied im Umweltausschuss:

„Die durch den Ukraine-Krieg sich weltweit verknappende Getreideversorgung wird Europa in besonderer Weise herausfordern. Russland und die Ukraine zusammen haben einen Anteil von ungefähr 30% an den weltweiten Exporten von Weizen. Beide Länder werden wohl auf kürzere und mittlere Frist als Getreidelieferanten ausfallen, weshalb laut WHO Hungersnöten in Ländern drohen, die von diesen Lieferungen abhängig sind, vor allem im Nahen und Mittleren Osten sowie in Afrika. Dazu kommen erhebliche Preissteigerungen.
Damit stellt sich die Frage welche Verantwortung Europa hat, um diese Versorgungslücken zu schließen und was machen wir hier in Europa mit unserem Getreide. Ein Blick auf die Statistiken zeigt, dass Europa tatsächlich zwei Drittel seines Getreides in den Futtertrog wirft und nur ein kleinerer Teil davon der menschlichen Ernährung dient. Hinzu kommt, dass wir vor allem in Deutschland eine erhebliche Fläche für die Produktion von Agrotreibstoff verwenden. Auch müssen wir uns klar machen, dass 30 % der Nahrungsmittel gar nicht erst den Weg auf unsere Teller finden und als Food-Waste verschwendet werden.
Diese Zahlen zeigen: Wir brauchen dringend eine Veränderung der Warenströme, statt einer Intensivierung der hiesigen landwirtschaftlichen Produktion das Wort zu reden. Vereinfacht gesagt: Weizen für Brot, statt Weizen in den Trog. Wir müssen unser Fleisch-Export-Modell überdenken, für welches wir nicht nur Getreide aus der Ukraine, sondern auch riesige Mengen an Soja aus Südamerika importieren. Dieses Modell ist nicht nachhaltig.
Doch was tut EU-Agrarkommissar Janusz Wojciechowski? Er stellt die Farm-to-Fork-Strategie in Frage und verlangt eine Intensivierung der Produktion. Statt, wie von der EU-Kommission eigentlich angestrebt, mit Dünge- und Pestizid-Beschränkungen endlich eine nachhaltige, die Natur bewahrende Entwicklung in der Landwirtschaft einzuleiten, plädiert Wojciechowski für das Gegenteil. Doch solcherlei platte Forderungen stellen nicht nur unsere jahrlangen Anstrengungen für eine gesündere Umwelt in Frage, sondern verstellen auch den Weg für eine klimaangepasste und biodiversitätserhaltende Landwirtschaft.
Und man sieht jetzt die europäische Importabhängigkeit bei mineralischem Stickstoff, der unter enormem energetischem Aufwand in Russland und Belarus hergestellt wird. Wir müssen daher nicht mehr, sondern weniger mineralischen Stickstoff-Dünger einsetzen und das ist nur möglich, indem wir in den Fruchtfolgen zum Beispiel Leguminosen anbauen. Agrarökologische Landwirtschaftssysteme sind die Antwort auf die Herausforderungen unserer Zeit - und nicht eine intensivere konventionelle Landwirtschaft.

In einer Online-Veranstaltung diskutieren wir die Folgen des Ukraine-Kriegs auf die Landwirtschaft am Mittwoch, den 9.März, um 16.30 Uhr mit folgenden Experten: Dr. Ophelia Nick, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), Prof. Sebastian Lakner, Universität Rostock, Dr. Christine Chemnitz, Heinrich-Böll-Stiftung, Martin Häusling, MdEP.

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