Grüne Europagruppe Grüne EFA

Die gemeinsame Anhörung von Agrar- und Umweltausschuss im Europäischen Parlament zur Anwendung neuer Züchtungsmethoden kommentiert Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Fraktion Die Grünen/EFA im Europaparlament und Mitglied des Umweltausschusses:

„Im Zentrum der Debatte über neue Züchtungstechniken (u.a. Crispr/Cas) steht die Frage: Fallen die Verfahren unter das Gentechnikrecht oder nicht?
Wir Grüne haben darauf eine klare Antwort: Ja, denn dahinter verbergen sich Formen der Züchtung, die in das Erbgut eingreifen. Sie alle basieren auf direkten technischen Eingriffen in die natürliche DNA- Struktur.

Dazu werden meist künstliche im Labor hergestellte Enzyme verwendet. Bei Crispr/Cas zum Beispiel wird mit der  sogenannten „Gen-Schere“ in das Genom eingegriffen. Es werden ganze DNA-Abschnitte entfernt oder verändert, um etwa Reistenzen gegen Viren, Pilze oder Bakterien zu erzeugen.  Das Verfahren aber, das zu diesem Effekt führt, ist aus meiner Sicht glasklar als Gentechnik anzusehen.
Das hat Konsequenzen, die der Industrie natürlich nicht passen. Sie will die Verfahren rasch und möglichst unkontrolliert auf den Markt werfen. Diese Eile, und dieser Druck aber widersprechen den Prinzipien des Verbraucherschutzes und untergraben die Wettbewerbsgleicheit für den ökologischen Landbau, der diese Verfahren nicht nutzen will. Bleiben die Produkte kennzeichnungsfrei, entstehen im Ökolandbau enorme Kosten. Alleine die Züchtung frei von diesen Produkten zu halten, würde zehntausende Euro im Jahr an Kosten verursachen.

Da die Methodik vergleichsweise günstig ist, könnten ohne eine Regulierung auch „Garagenerfindungen“ von jedermann in die Umwelt gelangen. Die Folgen davon wären kaum abzusehen.

Die Zulassung muss aus meiner Sicht an strenge Kriterien gebunden sein. Nur so lässt sich das in der EU hoch gehaltene Vorsorgeprinzip garantieren. Denn es kann nicht sein, dass diese derart produzierten Lebensmittel ohne Risikobewertung und ohne Zulassungsverfahren in den Handel gelangen. Dies wäre ein Schlag ins Gesicht der europäischen Verbraucher, die weit überwiegend gentechnische Methoden in der Landwirtschaft ablehnen. Sie müssen eine Wahlmöglichkeit haben!“

Weitere Informationen:

Studie zu Kosten der Gentechnik IFOAM für die gentechnikfreie Produktion

Positionspapier Martin Häusling zu neuen Züchtungsmethoden

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