Grüne Europagruppe Grüne EFA

Crispr/Cas9

23.01.2020

Gentech-Pflanzen: Risikobewertung unzulänglich/ RAGES-Studie wurde heute in Brüssel vorgestellt

Unter dem Titel RAGES – Risikoabschätzung von gentechnisch veränderten Organismen in der EU und der Schweiz – untersuchte eine aktuelle Studie die Zulassungsprüfung von Gentechnikpflanzen im Zeitraum 2016 bis 2019. Die Ergebnisse werden heute im Europäischen Parlament präsentiert.

Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen im Europäischen Parlament und Mitglied des Umweltausschusses, kommentiert: „Die Zulassung gentechnisch veränderter Organismen muss an strenge Kriterien gebunden sein. Nur so lässt sich das in der EU hoch gehaltene Vorsorgeprinzip garantieren. Denn es kann nicht sein, dass diese derart produzierten Lebensmittel ohne fundierte Risikobewertung in den Handel gelangen. Dies wäre ein Schlag ins Gesicht der europäischen Verbraucher, die weit überwiegend gentechnische Methoden in der Landwirtschaft ablehnen. Sie müssen eine Wahlmöglichkeit haben.
Wichtig auch ist zu betonen: Es darf keine Aufweichung der Regeln zugunsten der neuen Gentechnik geben. Gentechnik bleibt Gentechnik!“

Dr. Angelika Hilbeck von der ETH-Zürich ist RAGES Projektmitglied: “Unsere wissenschaftliche Evaluation der Zulassungen von aktuellen gentechnisch veränderten Pflanzen in der EU zeigt, dass die gesetzlichen Anforderungen für ihre Risikoabschätzung sehr eng und im Zweifel zugunsten des Antragstellers ausgelegt werden, und nicht zugunsten des Vorsorgeprinzips und des Schutzes der Umwelt und Konsumenten. Insbesondere auch im Hinblick auf den angekündigten Einsatz neuer Gentechniken wie CRISPR/Cas bei Pflanzen und Tieren, die als noch wirkmächtiger angepriesen werden, muss bei deren Risikoabschätzung und Sicherheitsprüfung die Vorsorge im Vordergrund stehen und nicht Industrieinteressen.”


Links:
RAGES Projekt: https://www.testbiotech.org/en/content/research-project-rages
Martin Häusling zu Agro-Gentechnik: https://martin-haeusling.eu/themen/agro-gentechnik.html

16.01.2020

Gene Drives: Europäisches Parlament will Moratorium der Gen-Turbos

Das Europäische Parlament hat heute seine Position für das 15. Treffen der Konferenz der Vereinten Nationen (COP 15) zum Internationalen Übereinkommen für die biologische Vielfalt abgestimmt. Die Grünen hatten Vorschläge zum Umgang mit Gene Drives, einem biotechnologischen Verfahren, eingebracht. Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen und Mitglied im Umweltausschuss des Europäischen Parlaments, kommentiert:

„Das Europäische Parlament hat sich für ein globales Moratorium der Gene Drive Technologien ausgesprochen: Organismen, die mit diesen Techniken hergestellt wurden, dürfen demnach nicht mehr in die Natur entlassen werden. Ein fundamentaler Schritt für die Artenvielfalt. Die Gen-Turbos haben das Potential ganze Arten dauerhaft zu verändern oder auch gänzlich auszulöschen. Das darf nicht passieren. Unser Ökosystem würde dadurch geschädigt, empfindliche Gleichgewichte gestört. Die Langzeitfolgen wären nicht absehbar.
Der Verlust der Artenvielfalt ist dramatisch - das müssen auch die letzten Zweifler einsehen. Das Europäische Parlament jedenfalls hat dazugelernt: vor zwei Jahren fand sich unter den Parlamentariern noch keine Mehrheit für ein Gene Drive Moratorium.
Jetzt müssen wir Druck machen, dass die EU-Mitgliedsländer und die EU-Kommission das Gene Drive Moratorium auch beim Treffen der Vereinten Nationen im Herbst auf die internationale Bühne heben. Die Weltbevölkerung kann den drastischen Artenrückgang nur gemeinsam verhindern.“

 

Weiterführende Links:
- Heute im Europäischen Parlament abgestimmte Resolution: https://www.europarl.europa.eu/doceo/document/B-9-2020-0035_DE.pdf 
- Redebeitrag Martin Häusling im Plenum am 15.01.2020:
http://www.europarl.europa.eu/plenary/de/vod.html?mode=unit&vodLanguage=DE&vodId=1579116676321&date=20200115 
- Briefing Martin Häusling zu Gene Drives: https://martin-haeusling.eu/images/181017_Briefing_Häusling_Wir_brauchen_ein_Moratorium_für_Gene_Drive_.pdf
- Studie Martin Häusling zu Biodiversität: https://martin-haeusling.eu/images/Biodiversität_NEUAUFLAGE2018_RZ_web.pdf

 

 

 

16.01.2020

COP15 - Nur gemeinsam erfolgreich für den Artenschutz!

Die Forderungen des Europäisches Parlaments für das Internationale Übereinkommen für die biologische Vielfalt

Heute Mittag wird das Europäische Parlament seine Position für das 15. Treffen der Konferenz der Vereinten Nationen zum Internationalen Übereinkommen für die biologische Vielfalt (COP15) abstimmen. Dieses wird im Oktober stattfinden. Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen und Mitglied im Umweltausschuss des Europäischen Parlaments, kommentiert:
„Wir haben keine Zeit zu verlieren, wenn wir das Artensterben stoppen wollen. Die Weltbevölkerung kann den drastischen Artenrückgang nur gemeinsam verhindern. Dazu brauchen wir dringend konkrete politische Vorgaben zum Schutz der Biodiversität - die zwingend eingehalten werden. Das Treffen der Vereinten Nationen zum Internationalen Übereinkommen für die biologische Vielfalt kann der Welt ein Forum bieten um gemeinsam Lösungen voranzutreiben.
Als Biobauer ist mir besonders wichtig, dass chemische Pestizide deutlich reduziert werden, im besten Fall unsere Landwirtschaft vollständig auf chemische Pestizide verzichtet. Die Gemeinsame Agrarpolitik muss dementsprechend prioritär landwirtschaftliche Bewirtschaftungsformen unterstützen, die der Artenvielfalt nicht schaden. Das muss sich auch in der Farm to Fork Initiative wiederfinden, die von der Europäischen Kommission aktuell ausgestaltet wird.
Wir Grüne haben in die heute abzustimmende Position des Europäischen Parlaments auch Vorschläge zu Gene Drives eingebracht. Das sind biotechnologische Verfahren, die als ‚Gen-Turbo‘ das Potential haben, ganze Arten auszulöschen. Soweit darf es nicht kommen! Das Treffen der Vereinten Nationen zur Artenvielfalt könnte eine der letzten Möglichkeiten sein, das Vorsorgeprinzip ernst zu nehmen und weltweit ein Verbot für Gene Drives zu erlassen: Forschung und Entwicklung an Gene Drive Organismen trägt immer das hohe Risiko einer ungewollten Freisetzung in die Umwelt. Auch könnten Gene Drive Technologien für militärische und feindliche Zwecke eingesetzt werden könnten. Es ist der Artenvielfalt und Zukunftsfähigkeit unseres Planeten sehr zu wünschen, dass die Mehrheit der Parlamentarier sich heute für ein solches Verbot aussprechen wird!“

Weiterführende Links:
- Heute im Europäischen Parlament abgestimmte Resolution
- Redebeitrag Martin Häusling im Plenum am 15.01.2020
- Briefing Martin Häusling zu Gene Drives
- Studie Martin Häusling zu Biodiversität

30.10.2019

SUMMARY Study: Genetically engineered plants -rather time bomb than a chance

Titel NBT  --> download summary

Genetically engineered plants as a universal remedy for hunger and drought? Little suitable and very risky, says a new study on new genetic engineering methods in agriculture, issued by the Greens/EFA in the European Parliament.
The dairy farmer and Green MEP Martin Häusling is co-author and publisher of the study published in July "future or time bomb? Designer plants as universal remedy are not the solution! "

19.07.2019

STUDIENVORSTELLUNG - Designerpflanzen als Allheilmittel sind nicht die Lösung!

GentechnikSTUDIENVORSTELLUNG

ZUKUNFT ODER ZEITBOMBE? - DESIGNERPFLANZEN ALS ALLHEILMITTEL SIND NICHT DIE LÖSUNG!

Zeit: Fr. 19. Juli 2019 von 10.30 bis 13.00 Uhr

Ort:  Konferenzraum 1, Marienstraße 19/20, 10117 Berlin

Anmeldung: Büro Martin Häusling (MdEP) Berlin, Telefon 030/ 227 70020, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Einladung

Die Richter der Europäischen Gerichtshofes (EUGH) haben im Juni 2018 mit bemerkenswerter Deutlichkeit neue Gentechnik-Verfahren wie CRISPR/Cas unter das europäische Gentechnikrecht gestellt. Die Juristen machen damit eindeutig klar, dass Verfahren, die technisch in die DNA eingreifen, auch dann Gentechnik sind, wenn sie keine artfremde DNA einführen.

In den Reaktionen auf diese, rein nach bestehendem Recht getroffene, juristische Beurteilung wurde und wird allerdings häufig von „Verhinderung einer Zukunftstechnologie“ gesprochen oder das bestehende Gentechnikrecht als „veraltet“ dargestellt. Was genau es mit dem Urteil auf sich hat, was es aussagt und was nicht und welche Folgen das hat, darüber wollen wir am 19. Juli diskutieren. Die Studie „Zukunft oder Zeitbombe…“ liefert dazu einige Fakten. Zum anderen beleuchten die drei AutorInnen der Studie Heike Moldenhauer, Katrin Brockmann und Hans-Joachim Bannier die in den Medien kursierenden Versprechen zur neuen Gentechnik aus unterschiedlichen Blickwinkeln.

19.07.2019

STUDIE: Designerpflanzen als Allheilmittel sind nicht die Lösung!

Gentechnik

Die Studie wurde am 19.07.2019 in Berlin vorgestellt.

 --> Download der englischen Zusammenfassung (summary)

Inhalt:

Die Richter der Europäischen Gerichtshofes (EUGH) haben im Juni 2018 mit bemerkenswerter Deutlichkeit neue Gentechnik-Verfahren wie CRISPR/Cas unter das europäische Gentechnikrecht gestellt. Die Juristen machen damit eindeutig klar, dass Verfahren, die technisch in die DNA eingreifen, auch dann Gentechnik sind, wenn sie keine artfremde DNA einführen.

In den Reaktionen auf diese, rein nach bestehendem Recht getroffene, juristische Beurteilung wurde und wird allerdings häufig von „Verhinderung einer Zukunftstechnologie“ gesprochen oder das bestehende Gentechnikrecht als „veraltet“ dargestellt. Was genau es mit dem Urteil auf sich hat, was es aussagt und was nicht und welche Folgen das hat, dazu liefert die Studie „Zukunft oder Zeitbombe…“ einige Fakten. Zum anderen beleuchten die drei AutorInnen der Studie Heike Moldenhauer, Katrin Brockmann und Hans-Joachim Bannier die in den Medien kursierenden Versprechen zur neuen Gentechnik aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Fraktion Die Grünen/EFA und Biobauer stellt im Kontext neuer Techniken und des neuerdings beschworenen "Innovationsprinzips" die Frage: Was ist eigentlich "innovativ"?

14.05.2019

Weiterer Vorstoß für neue Gentechnik bei EU-Agrarministertreffen in Brüssel

Am heutigen Dienstag treffen sich die europäischen Agrarminister in Brüssel. Auf der Tagesordnung versteckt sich unter dem Punkt ‚Sonstiges‘[i] auch ein von den Niederländern eingebrachter Punkt zu ‚weiteres Vorgehen im Anschluss an das Urteil des Gerichtshofs zum rechtlichen Status von Pflanzen infolge einiger der neuesten Pflanzenzuchtverfahren‘. Absicht der Niederländer ist zweifelsohne, die Gentechnik-Regeln für die neuen Gentechnik-Verfahren wie CRISPR/CAS aufzuweichen. Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen und Mitglied im Umwelt- und Gesundheitsausschuss im Europäischen Parlament, kommentiert:

„Auch neue Gentechnikverfahren wie CRISPR/CAS fallen unter die Gentechnik-Gesetzgebung, so hat es der Europäische Gerichtshof (EuGH) im Juli entschieden. Zu Recht. Zu wenig wissen wir bislang über die Auswirkungen der Techniken in Zielorganismus und Ökosystemen. Nur das Vorsorgeprinzip, wie in der Gentechnik-Gesetzgebung geregelt, kann hier sicherstellen, dass wir nicht unwiderruflichen Schaden anrichten.
Es ist kein Geheimnis, dass das EuGH-Urteil von Gentechnik- und Chemie-Industrie sowie den konventionellen Bauernverbänden[1] mit großer Enttäuschung aufgenommen wurde. Allzu gerne

02.04.2019

EU-Kommissar Andriukaitis als Gesundheitskommissar nicht mehr tragbar!

EU-Kommissar Andriukaitis übernimmt pauschales Kritiker-Bashing der Gentec-Lobby!

Gesundheitskommissar Andriukaitis hat laut einem EURACTIV Artikel angekündigt, in einer neuen EU-Kommission das europäische Gentechnikrecht ändern zu wollen. Er sagte u.a.: „Es ist höchste Zeit, dass Europa neue Techniken der Pflanzenzüchtung entstigmatisiert.“
Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen im Europäischen Parlament und Mitglied im Umwelt- und Gesundheitsausschuss, kommentiert:

„Wenn ein EU-Gesundheitskommissar die weltweit fortschrittlichste, nach dem Vorsorgeprinzip gestaltete Gesetzgebung zur Risikotechnologie Gentechnik mit dem Begriff Stigmatisierung zusammenbringt, lässt das vermuten, dass etwas ganz gewaltig mit seiner Einstellung zu den Prinzipien der Europäischen Verträge und mit seinen Kenntnissen zur wissenschaftlichen Risikobewertung nicht stimmt.
Wer Wissenschaftler und Experten, die auf Risiken der neuen Gentechnik hinweisen und solche, die seit Jahren Heilsversprechen der Gentechniklobby wissenschaftlich fundiert entlarven als „Akteure“ bezeichnet „die die öffentliche Meinung manipulieren“, hat eine sehr einseitige und ungesunde Auffassung von Wissenschaft und Neutralität.
Das geltende Europäische Gentechnikrecht ist weltweit ein ganz besonderes Beispiel für eine fortschrittliche Anwendung des in den Europäischen Verträgen als Leitprinzip festgelegten Vorsorgeprinzips. Es als Verhinderungswerkzeug und veraltet darzustellen, übernimmt nicht nur die polemische Argumentation derer, die ganz klare schnelle finanzielle Interessen an den Einsatz von CRISPR/CAS hängen und die Risiken deshalb herunterspielen, sondern untergräbt auch die wertvolle Errungenschaft des Vorsorgeprinzips generell. Wer sich dafür entscheidet, das Vorsorgeprinzip anzuwenden, verhindert nicht sondern prüft sorgfältig und wägt ab.
Es gibt viele Wissenslücken bezüglich der Zielgenauigkeit und der nicht geplanten Wirkungen von CRISPR, TALEN & Co. Ob der veränderte Organismus genauso reagiert und sich weiterentwickelt, wie ein natürlicher Organismus oder ob er ungewollte Nebeneffekte hat, darüber liegen bisher keine Erkenntnisse vor. Die Eingriffstiefe bezüglich Organismus und Verhalten in der Umwelt ist bisher unbekannt. Das bestätigt sogar die wissenschaftliche Expertengruppe der EU-Kommission, die auf EU-Ebene die neue Technologie bewertet hat.
Und auch die Erfinderin der CRISPR/Cas9-Technologie selbst, Dr. Emmanuelle Charpentier, spricht sich für eine strenge Regulierung der Technik aus und sieht Europa hier sogar als Vorreiter.
Einen Gesundheitskommissar, der sich derart unsachlich und einseitig industriefreundlich gegenüber Kritikern in einer Debatte zu Risikotechnologien äußert, halte ich in einer neuen Kommission für nicht tragbar.“

Euractiv-Artikel mit Aussagen von Gesundheitskommissar Andriukaitis

Interview mit Dr. Emanuelle Charpentier

Weitere Infos unter:

https://www.martin-haeusling.eu/themen/agro-gentechnik.html

17.10.2018

Briefing zu Gene-Drive: Eingriffstiefe groß - Rückholbarkeit nicht gewährleistet!

Wir brauchen ein weltweites Moratorium für die Anwendung von Gene-Drive!

genedrive M.Teifer sciencenews.orgGene Drives stehen auf der Tagesordnung der 14. Vertragsstaatenkonferenz des UN-Übereinkommens über die biologische Vielfalt (englisch: Convention on Biological Diversity, CBD), die vom 17. bis 29. November in Ägypten stattfindet. Die CBD-Mitgliedsregierungen beraten dort u.a. über ein mögliches Moratorium auf Gene Drives.

Das Europäische Parlament wird im Rahmen seiner Stellungnahme zur 14. Vertragsstaatenkonferenz des UN-Übereinkommens über die biologische Vielfalt, am 23. Oktober über ein Moratorium für Gene Drives abstimmen, welches wir Grüne als Änderungsantrag eingebracht haben.

Gene Drives sind biotechnologische Anwendungen mit enormer Eingriffstiefe und breiter Wirkung, die sich seit ein paar Jahren in der Entwicklung befinden. Übersetzen lassen sie sich vielleicht am besten mit Gen-Turbo. Die Technologie schaltet die natürlichen Regeln der Vererbung und Evolution aus, indem gentechnisch in das Erbgut von Organismen eingeführte Merkmale zu 100 Prozent an alle deren Nachkommen weitervererbt werden. Man will damit ganze Arten dauerhaft verändern oder auch gänzlich auslöschen.

Lesen Sie weiter hier in meinem Briefing zum Thema - mit HIntergründen und weiterführenden Links.

17.05.2018

Neue Gentechnik: Ohne Risikobewertung dürfen neue Züchtungsverfahren nicht auf den Markt!

Die gemeinsame Anhörung von Agrar- und Umweltausschuss im Europäischen Parlament zur Anwendung neuer Züchtungsmethoden kommentiert Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Fraktion Die Grünen/EFA im Europaparlament und Mitglied des Umweltausschusses:

„Im Zentrum der Debatte über neue Züchtungstechniken (u.a. Crispr/Cas) steht die Frage: Fallen die Verfahren unter das Gentechnikrecht oder nicht?
Wir Grüne haben darauf eine klare Antwort: Ja, denn dahinter verbergen sich Formen der Züchtung, die in das Erbgut eingreifen. Sie alle basieren auf direkten technischen Eingriffen in die natürliche DNA- Struktur.

Dazu werden meist künstliche im Labor hergestellte Enzyme verwendet. Bei Crispr/Cas zum Beispiel wird mit der  sogenannten „Gen-Schere“ in das Genom eingegriffen. Es werden ganze DNA-Abschnitte entfernt oder verändert, um etwa Reistenzen gegen Viren, Pilze oder Bakterien zu erzeugen.  Das Verfahren aber, das zu diesem Effekt führt, ist aus meiner Sicht glasklar als Gentechnik anzusehen.
Das hat Konsequenzen, die der Industrie natürlich nicht passen. Sie will die Verfahren rasch und möglichst unkontrolliert auf den Markt werfen. Diese Eile, und dieser Druck aber widersprechen den Prinzipien des Verbraucherschutzes und untergraben die Wettbewerbsgleicheit für den ökologischen Landbau, der diese Verfahren nicht nutzen will. Bleiben die Produkte kennzeichnungsfrei, entstehen im Ökolandbau enorme Kosten. Alleine die Züchtung frei von diesen Produkten zu halten, würde zehntausende Euro im Jahr an Kosten verursachen.

Da die Methodik vergleichsweise günstig ist, könnten ohne eine Regulierung auch „Garagenerfindungen“ von jedermann in die Umwelt gelangen. Die Folgen davon wären kaum abzusehen.

Die Zulassung muss aus meiner Sicht an strenge Kriterien gebunden sein. Nur so lässt sich das in der EU hoch gehaltene Vorsorgeprinzip garantieren. Denn es kann nicht sein, dass diese derart produzierten Lebensmittel ohne Risikobewertung und ohne Zulassungsverfahren in den Handel gelangen. Dies wäre ein Schlag ins Gesicht der europäischen Verbraucher, die weit überwiegend gentechnische Methoden in der Landwirtschaft ablehnen. Sie müssen eine Wahlmöglichkeit haben!“

Weitere Informationen:

Studie zu Kosten der Gentechnik IFOAM für die gentechnikfreie Produktion

Positionspapier Martin Häusling zu neuen Züchtungsmethoden

17.04.2018

Positionspapier zu neuen Züchtungsmethoden (crispr/cas)

dna 163710 640 Hier finden Sie mein aktuelles Positionspapier zur Diskussion über neue Züchtungstechniken und CrisprCas im Grundsatzprogramm Bündnis90/Grüne

Für ein neues Grundsatzprogramm muss man Grundsätze auch grundsätzlich diskutieren dürfen…
Im Rahmen der Diskussion über das neue grüne Grundsatzprogramm haben unsere Parteivorsitzenden Annalena Baerbock und Robert Habeck eine Diskussion über die Anwendung neuer Züchtungsmethoden angestoßen, insbesondere die Methode CrisprCas, die sogenannte Genschere – wird häufig angeführt. Zu einem Überblick über neue Züchtungsmethoden/ Synthetische Biologie geht es hier.
Als langjähriger Fachmann für Landwirtschaftspolitik und Begleiter zahlreicher Debatten über Gentechnik, Pestizide und nachhaltige Agrarförderung habe ich mir zunächst die Augen gerieben. Aber eine Grundsatzdiskussion muss auch Grundsätze in Frage stellen. Und da nutze ich diese Debatte, um neu und erneut die Argumente zu überprüfen und vorzustellen, die auch heute noch gegen den Einsatz gentechnischer Veränderungen an Organismen im landwirtschaftlichen Bereich sprechen.

05.12.2017

Feature: Die DNA Revolution - Schöpfung mit der Genschere

podcast Deutschlandfunk und WDR(14.01.18)- Von Peter Kreysler

Kaum eine biologische Entdeckung hat in diesem Jahrzehnt mehr Furore gemacht: Crispr/Cas9 lautet der Name der "Genschere", mit der sich das Erbgut jeder Zelle gezielt verändern lässt. Ertragreichere Nutzpflanzen und Heilung von Erbkrankheiten scheinen möglich; aber auch die Züchtung menschlicher Ersatzorgane in Tieren und Designerbabys.

Von Peter Kreysler