Grüne Europagruppe Grüne EFA

Die Rekordergebnisse des europäischen Fleischexports kommentiert Martin Häusling, agrarpolitische Sprecher der Grünen/EFA und Mitglied im EU-Umweltausschuss:

„Europa ernährt die Welt –mit Fleisch! Die Meldungen über jährlich steigende Exportrekorde bei Fleisch irritieren vernunftbegabte Menschen jedes Jahr in steigendem Maße. Dabei müssten wir es doch eigentlich inzwischen besser wissen, dass solche Meldungen keinen Grund zum Jubeln geben: Mindestens 18 Prozent der gesamten Treibhausgas-Emissionen und 10 Prozent aller anthropogenen CO2-Emissionen gehen auf das Konto der intensiven Fleischproduktion. Für die mehr als 20 Millionen Hektar außerhalb der EU, die wir für unsere Fleischproduktion zusätzlich benötigen, werden Wald- und Grünlandflächen gerodet respektive gepflügt. Wir verheizen unser Klima, um Schweineschnitzel und Hühnerbeine über die Welt zu verteilen. Oder gleich lebende Tiere, deren Export bei Rindern, Schafen und Ziegen ebenfalls ansteigt.
Die Kalorien, die den Menschen an anderen Orten der Welt fehlen, werden hier vernichtet. Das nennen wir hierzulande euphemistisch immer noch „Veredelung“. Die Unmengen von tierischem Dünger verpesten in den europäischen Zentren der Tierproduktion Wasser und Böden. Die Tiere benötigen häufig Antibiotika, um ihren Haltung bis zur Schlachtung zu überleben.
Diese EU-Agrarproduktion geht einher mit einer Rekordbilanz an Tierleid: Nie zuvor wurden so viele Tiere in Europa industriell gehalten, geschlachtet und oft unter qualvollen Bedingungen transportiert. Seit Jahren sind die Missstände in der Gesetzgebung und Kontrolle bekannt. Dennoch schauen EU-Kommission und EU-Mitgliedsstaaten weiter tatenlos zu und tragen damit die Verantwortung für die unhaltbaren Zustände.
Und dennoch: Den europäischen Bauern bringt das alles so gut wie nichts. Ihnen müssen wir immer wieder mit sinnlosen Krisen-Steuer-Geldern beistehen, die zum Sterben zu viel und für das Überleben der Höfe zu gering sind.
Europas Agrarpolitik sollte nicht dazu dienen, in erster Linie Exporteure reich zu machen. Sie sollte in erster Linie europäische Verbraucher mit Qualitätsprodukten versorgen, die in einer Art und Weise hergestellt werden, dass Umwelt und Klima es dauerhaft überleben, dass Tiere nicht leiden müssen und dass Bauern davon gut leben können, und zwar ohne permanente Krisenhilfe aus Steuermitteln.“

Weitere Informationen:
Exportorientierung führt zu Dumpingpreisen
Kommentar zur Agrarkrise
Studie Fundamente statt Säulen: Vorschläge zur Neuausrichtung der EU-Agrarpolitik

 

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