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topagrar -    Die Europäische Union hat in den vergangenen Jahren erhebliche Fortschritte beim Umwelt- und Klimaschutz erzielt. Dennoch müssen weitere Bemühungen unternommen werden, um andauernde ökologische Herausforderungen zu meistern. Zu diesem Fazit gelangt die Europäische Umweltagentur (EEA) in ihrem aktuellen Zustandsbericht über die Umwelt Europas 2015 (SOER), der vergangene Woche veröffentlicht worden ist.

Speziell in der Landwirtschaft prangert die EEA weiterhin Bodenverschlechterung, Wasserverschmutzung und einen Verlust der Biodiversität durch umweltschädliche Bewirtschaftungspraktiken an. Gleichzeitig räumen die Experten ein, dass die vom Agrarsektor verursachten Treibhausgasemissionen seit 1990 um 22 % zurückgegangen seien. Die Nitratrichtlinie hat nach Ansicht der EEA-Mitarbeiter den Stoffeintrag von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln gedeckelt und damit dazu beigetragen, den Druck auf Boden, Wasser und Luft zu verringern. Die Stickstoffbilanz habe sich grundsätzlich verbessert, bleibe aber in mehreren Ländern noch immer zu schlecht. Besonders in Gebieten mit Intensivlandwirtschaft und einer hohen Bevölkerungsdichte litten Gewässer unter diffuser Verschmutzung ohne eindeutige Einleitungsquelle.

Die EEA verspricht sich gewisse positive Effekte vom Greening der EU-Agrarpolitik, das in diesem Jahr anläuft, betont jedoch gleichzeitig die Bedeutung der konkreten Umsetzung in den Mitgliedstaaten. Unter dem Strich beharren die Umweltexperten darauf, dass es nötig sei, die Landwirtschaft nachhaltiger und ressourceneffizienter zu machen.

Verschmutzung bleibt Problem

EU-Umweltkommissar Karmenu Vell abezeichnete den Bericht als „Startblock“ seiner Amtszeit. Der Bericht zeige nicht nur, dass die EU-Umweltmaßnahmen Vorteile brächten, sondern, dass sie Arbeitsplätze schafften. Das beachtliche Wachstum der grünen Wirtschaft selbst in den Jahren stärkster Rezession, sei ein gutes Vorzeichen für die Wettbewerbsfähigkeit Europas.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks betonte, erhebliche Fortschritte seien dem Bericht zufolge in den vergangen Jahrzehnten bei der Luftqualität erzielt worden. Die Verschmutzung des lebenswichtigen Gutes „saubere Luft“ bleibe in Europa und in Deutschland aber nach wie vor ein ernsthaftes Problem. Im Jahr 2011 seien 430 000 vorzeitige Todesfälle in der EU auf Feinstaub zurückgeführt worden.

Die Luftverschmutzung mache an nationalen Grenzen nicht Halt. „Weitere Emissionsminderungen sind notwendig, um die Luftqualität in Einklang mit den Leitlinien der Weltgesundheitsorganisation zu bringen und Biodiversität und Ökosysteme zu schützen. Der Bericht macht deutlich, dass wir rasch handeln müssen“, so Hendricks.

Noch nicht weit gekommen

Die Grünen stellen in der Umweltpolitik einen Mangel an Ehrgeiz fest. Der agrarpolitische Fraktionssprecher im Europaparlament, Martin Häusling, wertet den Bericht als klares Zeichen, „dass die EU auf ihrem Weg zu mehr Nachhaltigkeit noch nicht weit gekommen ist“. Die EU werde das gesteckte Ziel verpassen, bis 2020 das Artensterben zu stoppen. Ferner müsse der Biolandbau gestärkt werden. „Bisher werden nur 6 % der landwirtschaftlich genutzten Flächen in der EU für Biolandbau verwendet“, monierte Häusling.

Der umweltpolitische Sprecher der grünen Bundestagsfraktion, Peter Meiwald, verlangte eine nationale Stickstoffstrategie mit dem Ziel, die Stickstoffmengen deutlich zu reduzieren. „Dafür müssen alle Verursacher ihren Beitrag leisten, allen voran die agro-industrielle Landwirtschaft, die zu viele Tieren auf zu wenig Fläche hält“, so der Grünen-Politiker.

Die Novelle der Düngeverordnung sei längst überfällig. Darin müsse die Bundesregierung scharfe Grenzwerte für Nährstoffeinträge sowohl aus der Tierhaltung als auch aus synthetischen Düngern und Gärresten festsetzen, die über eine Hoftorbilanz kontrolliert werden müssten. AgE

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