Grünen-Europaabgeordneter Martin Häusling fordert konsequenteres Handeln gegen den unnötigen Einsatz von Antibiotika, v.a in der industriellen Tiermast
Antimikrobielle Resistenzen (AMR) gehören zu den größten globalen Herausforderungen für die öffentliche Gesundheit. Dennoch bleibt die Bedrohung für viele Menschen unsichtbar und abstrakt. Die diese Woche im Europäischen Parlament gezeigte Ausstellung „Antimikrobielle Resistenzen: Die menschlichen Geschichten hinter einer stillen Pandemie“, ausgerichtet von dem Grünen/EFA-Europaabgeordneten Martin Häusling und gemeinsam mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) organisiert, stellt die Menschen hinter den Statistiken in den Mittelpunkt.
Martin Häusling, Mitglied in den Ausschüssen für Landwirtschaft, Umwelt und Gesundheit im Europäischen Parlament, kommentiert:
„Jede Minute sterben mehr als zwei Menschen an antimikrobiellen Resistenzen. 1.1 Millionen Menschen im Jahr, Tendenz steigend. Hinter dieser Zahl stehen Menschen, Familien und konkrete Schicksale. Die Ausstellung macht sichtbar, was auf dem Spiel steht, wenn Medikamente, auf deren Wirksamkeit wir uns lange verlassen haben, plötzlich nicht mehr wirken.
AMR macht dabei nicht an den Grenzen zwischen menschlicher Gesundheit, Tiergesundheit und Umwelt halt. Resistente Keime können zwischen diesen Bereichen zirkulieren. Die Bekämpfung von AMR erfordert deshalb einen konsequenten One-Health-Ansatz, der Humanmedizin, Tiermedizin, Landwirtschaft und Umwelt gemeinsam betrachtet.
Eine zentrale Rolle spielt dabei der Einsatz von Antibiotika in der industriellen Tiermast. Antibiotika sind unverzichtbare Medikamente für die Behandlung kranker Tiere. Ein unnötiger oder übermäßiger Einsatz kann jedoch die Entstehung und Verbreitung von Resistenzen begünstigen. Besonders problematisch ist dabei der Einsatz von Reserveantibiotika in der Hühnermast.
Haltungsbedingungen, Besatzdichten, Züchtung und Prävention spielen eine entscheidende Rolle dabei, dass Antibiotika weniger benötigt werden. Antibiotika dürfen nicht zum Ersatz für die Lösung struktureller Probleme in der Tierhaltung werden.
Die EU hat sich zum Ziel gesetzt, den Einsatz und Verkauf antimikrobieller Mittel für Nutztiere und Aquakultur bis 2030 deutlich zu reduzieren. Gleichzeitig bestehen weiterhin große Unterschiede zwischen Ländern und Produktionssystemen. In Deutschland ist insbesondere die Entwicklung bei Masthühnern problematisch: Die eingesetzten Antibiotikamenge stieg 2025 um 12 Prozent.
AMR ist eine globale Herausforderung, die internationale Zusammenarbeit und langfristige Investitionen erfordert. Gleichzeitig stehen die Mittel für globale Gesundheit und die Bekämpfung von AMR unter Druck. Wenn Antibiotika auch künftig wirksam bleiben sollen, müssen wir viel stärker auf Prävention setzen – auch in unseren Ernährungssystemen.“
Weitere Infos:
- Eröffnungsstatement von EU-Gesundheitskommissar Oliver Varhelyi
- Martin Häusling zu AMR
- WHO Kampagne: ‚AMR ist unsichtbar. Ich bin es nicht‘
- World AMR Awareness Week (WAAW) campaign 2026
- WHO Task Force of AMR Survivors
- WHO Civil Society Task Force on AMR
- Global Leaders Group on AMR
- Quadripartite toolkit for media engagement