Grüne Europagruppe Grüne EFA

GMOWährend die Erfinderin der CRISPR/Cas9-Technologie, Dr. Emmanuelle Charpentier, sich für eine strenge Regulierung der Technik ausspricht und Europa hier sogar als Vorreiter sieht, sammeln sich international und in Deutschland aktuell Wissenschaftler, um Druck auf das Europäische Gentechnikrecht auszuüben, da ihnen die Entscheidung des EUGH (siehe Newsletter Sept 2018) nicht passt. Schon diese Diskrepanz macht stutzig: Der Erfinderin würde man noch am ehesten zutrauen, dass sie jeder den Einsatz verzögernden oder einschränkenden Regelung den Kampf ansagt. Anscheinend sieht sie aber klarer als manch ein anderer die Risiken.

Liest man die mehrheitlich oberflächlich überschätzenden positiven Beschreibungen über CRISPR in der Presse, muss man sich über Dr. Charpentier schon wundern: kennt sie denn ihre eigene Technologie nicht? Erst nach dem Skandal um die pränatal genetisch veränderte DNA der neugeborenen Zwillinge durch den chinesischen Forscher He, liest man inzwischen vermehrt über die nicht absehbaren Folgen und die mangelnde Präzision der Technik. Auf wundersame Weise scheint das alles aber bei Pflanzen nicht zu gelten.

Hauptargumente der Befürworter der Technik für eine Änderung des Gentechnikrechtes sind vor allem: zu restriktiv, nicht mehr angemessen. Doch „zu restriktiv“ bedeutet vor allem, dass die Befürworter der Anwendung die Überprüfung der Risiken als zu aufwendig empfinden. Diese Sichtweise ist bei nachweislich unvorhersehbaren Wirkungen und der ungeklärten Koexistenz-Frage schon aus naturwissenschaftlicher Sicht nachgerade verantwortungslos. Doch sie zeigt Wirkung: Nicht nur Ministerin Klöckner bläst in das Horn der Gentechnikrechtkritiker, Mitte November hat auch das Wissenschaftliche Beratergremium SAM der EU-Kommission ein Statement veröffentlicht, in dem es die Überarbeitung der aktuellen Gentechnik-Gesetze empfiehlt. Doch für uns Grüne ist klar: Evaluierung, Kennzeichnung und Überwachung von GVO sind keine regulatorischen Hindernisse, die Innovation erschweren, sondern schlicht und ergreifend notwendig, um Umwelt- und möglicherweise auch Gesundheitskatastrophen zu vermeiden und die gentechnikfreie Produktion (u.a. im Ökolandbau) nicht zu verunmöglichen.

Pressemitteilung zum Statement des SAM und weiterführende Infos

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