Wie muss die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) nach 2027 aussehen, damit sie Landwirtschaft fit für die Zukunft macht? Diese Frage stand gestern Abend im Mittelpunkt einer Online-Diskussion mit der agrarpolitischen Sprecherin der Grünen Bundestagsfraktion, Dr. Ophelia Nick, und dem Europaabgeordneten Martin Häusling, sowie Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Land- und Lebensmittelwirtschaft und Naturschutz.
Im Rahmen der Veranstaltung stellten Nick und Häusling einen 10-Punkte-Plan für eine Landwirtschaft mit Zukunft vor. Darin fordern sie eine starke und eigenständige GAP, verbindliche EU-weite Umwelt-, Klima-, Tierwohl- und Sozialstandards sowie ein verlässliches Mindestbudget für Agrarumweltmaßnahmen und den Ökolandbau. Auch die Stärkung von LEADER und der ländlichen Entwicklung, bessere Bedingungen für Junglandwirtinnen und -landwirte sowie eine gezielte Förderung von Frauen in der Landwirtschaft gehören zu den Forderungen.
Martin Häusling, Mitglied im Agrar-, Umwelt- und Gesundheitsausschuss im Europäischen Parlament:
„Klima- und Umweltschutz sind die Lebensversicherung der Landwirtschaft von morgen. Nach diesem Dürrejahr muss noch der Letzte verstanden haben, dass es fatal ist, die GAP wieder auf eine pauschale Flächenförderung auszurichten. Wer Geld pro Hektar verteilt, aber die notwendigen Klima- und Umweltleistungen auf den Betrieben nicht absichert, macht sich zum Totengräber einer zukunftsfähigen Landwirtschaft in Europa. Wir brauchen eine GAP, die dafür bezahlt, was unsere Gesellschaft braucht: gesunde Böden, sauberes Wasser, Artenvielfalt, Klimaschutz und Tierwohl.“
Dr. Ophelia Nick, agrarpolitische Sprecherin der Grünen Bundestagsfraktion:
„Diese Bundesregierung stiftet in den EU-Verhandlungen Verwirrung und sendet widersprüchliche Signale an die Betriebe, weil ihr ein Plan für eine zukunftsfähige Landwirtschaft fehlt. Dabei sind die Herausforderungen auf den Höfen riesig: Preisvolatilität, Klimawandel, steigende Kosten und die Sorge um die Hofnachfolge. Neue Antworten der Bundesregierung, ein mutiges Voranschreiten – Fehlanzeige. Etablierte Öko-Regelungen, die den Betrieben ein stabiles Einkommen durch Umweltmaßnahmen ermöglichten, sollen abgeschafft, der Grünlandschutz ausgehebelt und die ländliche Entwicklung geschwächt werden. Diese Rückwärts-Politik ist unserer Betriebe und der Menschen auf dem Land unwürdig.“
Der gemeinsame 10-Punkte-Plan setzt dem eine klare Alternative entgegen. Im Mittelpunkt stehen öffentliche Leistungen statt pauschaler Flächenprämien. Umwelt- und Klimaschutz müssen zu einem verlässlichen wirtschaftlichen Standbein für landwirtschaftliche Betriebe werden. Dafür braucht es ein verbindliches Mindestbudget für Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen sowie den Ökolandbau.
Die GAP ist Grundpfeiler des europäischen Binnenmarkts. Einheitliche europäische Regeln und EU-weite Mindeststandards verhindern, dass es zu Wettbewerbsverzerrungen und einem Unterbietungswettbewerb bei Umwelt-, Klima-, Tierwohl- und Sozialstandards kommt.