Zur heutigen Vorstellung des „Protein Action Plan“ der EU-Kommission kommentiert Martin Häusling, Mitglied für die Grünen im Umwelt-, Agrar-, und Gesundheitsausschuss des Europäischen Parlaments:

„Der Aktionsplan zielt darauf ab, bis 2035 den Anteil von EU-eigenem Eiweiß aus Ölsaaten und Eiweißpflanzen im Futter von 25,8 % (2025) auf 35 % zu steigern – nicht sehr ambitioniert.

2011 war ich Berichterstatter für den Initiativbericht des EU-Parlaments, der die EU-Kommission auffordert, dafür Sorge zu tragen, dass der Anbau von Leguminosen attraktiver und der Eiweißmangel verringert wird (meine Studie dazu hier). Die Abhängigkeit von Eiweißfuttermittel-Importen hat sich seitdem nur um ein paar Prozente nach unten bewegt. 

Der Protein Action Plan greift viele der damals geforderten Maßnahmen auf, zB. gekoppelte Zahlungen zum Eiweißpflanzenanbau, und Förderung der Züchtung, mehr Eiweißpflanzen in die Fruchtfolgen – all das gibt es schon seit Jahren. Die Verbraucherseite kommt nur ganz kurz vor: Es sollen diversere Ernährungsweisen (mehr pflanzliche Proteine) durch öffentliche Beschaffung, Ernährungskampagnen und bessere Kennzeichnung unterstützt werden, doch nach wie vor liegt der Schwerpunkt auf der Tierhaltung.

Dieser Plan bleibt an entscheidenden Stellen hinter den wissenschaftlichen Erkenntnissen zurück: Modellierungen des Gemeinsamen Forschungszentrums der EU (JRC) zeigen, dass eine koordinierte Umstellung der Ernährung auf diversere Proteinquellen die landwirtschaftlichen Treibhausgasemissionen der EU bis 2035 um etwa 5 % senken könnte. 

Was gut ist: Die Kommission erkennt die Vorteile von Leguminosen und Grasland für Bodenfruchtbarkeit und N-Düngerreduktion an. 

Was fehlt: Im Plan wird eine gezielte Förderung extensiver Weidesysteme oder ein klarer Fokus auf den Futterbau mit heimischen Leguminosen (Luzerne, Ackerbohnen) nicht ausreichend stark gemacht. Vor allem aber vermeidet der Aktionsplan eine Strategie zum Abbau der Tierzahlen in der EU, trotz der wissenschaftlich belegten Umweltvorteile. 

Vor dem Hintergrund der Klimakrise müsste eine echte Eiweißwende folgende Aspekte deutlich stärker in den Mittelpunkt rücken:

  1. Forschung und Förderung von Weidehaltung: Extensives Weidemanagement auf Grünland kann Biodiversität fördern, Kohlenstoff binden und die Abhängigkeit von Kraftfutterimporten reduzieren. Hier braucht es gezielte Forschungs- und Förderprogramme.
  2. Stärkung des heimischen Futterbaus (Vielfalt statt Monokultur): Neben Soja gehören Luzerne, Klee, Ackerbohnen und Erbsen zu den Schlüsselpflanzen für eine nachhaltige, regionale Futtermittelversorgung. Sie fixieren Stickstoff, verbessern die Bodenstruktur und bieten Insekten Lebensraum.
  3. Eine höhere pflanzliche Proteinversorgung in der Ernährung (Mediterrane Diät): Eine Ernährung mit mehr Hülsenfrüchten (Linsen, Bohnen, Kichererbsen) ist nicht nur gesünder, sondern reduziert auch den ökologischen Fußabdruck erheblich.“