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Grünen-Abgeordneter: Chlor-Bäder begünstigen Massentierhaltung

Agence France Presse -- Im Streit um sogenannte Chlorhühnchen hat der Europaabgeordnete Martin Häusling (Grüne) vor einer Scheindebatte gewarnt. Die Diskussion, ob mit Chlor desinfiziertes Hühnerfleisch der Gesundheit schade, lenke vom eigentlichen Problem der Hygiene und Massentierhaltung ab, erklärte der Politiker am Dienstag in Wiesbaden.
 
Eine Desinfektion von Hühnchenfleisch mit Chlor mache es zwar möglich, krank machende Keime preisgünstig abzutöten, erklärte Häusling. Dies führe im Gegenzug aber dazu, dass Erzeuger die eigentlich nötige Hygiene bei Aufzucht und Schlachtung vernachlässigten. "Nicht das Chlorhuhn ist die Lösung, sondern eine artgerechte Nutztierhaltung mit gesunden Tieren und geringerer Keimbelastung."
 
In Europa ist die Chlor-Behandlung derzeit verboten. Sie ist vor allem deshalb in der Diskussion, weil sie in den USA erlaubt ist und Washington derzeit mit Brüssel über ein Freihandelsabkommen TTIP verhandelt.
 
Häusling machte zugleich geltend, dass Gesundheitsgefahren durch Chlorhühnchen weiter nicht ausgeschlossen seien. Er bezog sich dabei auf Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) von voriger Woche. Ein Experte des BfR hatte in der ARD-Sendung "Report Mainz" gesagt, Chlorhühnchen seien nicht gesundheitsschädlich für den Verbraucher. Am nächsten Tag veröffentlichte das BfR jedoch eine differenziertere Stellungnahme. Darin hieß es, dass zwar die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und das BfR selbst in einer Einschätzung von 2006 "keine speziellen Sicherheitsbedenken" zu Chlorbehandlung hätten. Zugleich hieß es aber: "Das BfR weist jedoch darauf hin, dass Erkenntnisse über unerwünschte gesundheitliche Effekte fehlen."
 
Als Beispiel führte das Institut an, dass Mittel wie Chlor auch natürliche, gutartige Bakterien auf dem Fleisch abtöteten. Diese fehlten dann bei einer möglichen neuen Verunreinigung mit krank machenden Bakterien, um das Wachstum der unerwünschten Keine zu hemmen.

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