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Quelle: https://www.fr.de/wirtschaft/gefaehrlicher-pestizid-export-13246568.html

Autor: Stephan Börnecke in der Frankfurter Rundschau vom 25. Nov 2019

 

Der trocken-heiße Sommer 2018 ließ den Pestizid-Einsatz hierzulande sinken. Ihr Geschäft machen deutsche Hersteller auf dem Weltmarkt - viele der verkauften Mittel sind in der EU nicht zugelassen.

Wäre es doch nur derart simpel: Da meldet das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit BVL in seinem jährlich erscheinenden Bericht über den Verkauf von Pflanzenschutzmitteln, der Absatz von Pestiziden sei 2018 gesunken. Und welche Schlagzeile entwickelt der Industrieverband Agrar IVA aus den Zahlen? „Die neue Absatzstatistik entkräftet das häufig zu hörende Vorurteil, unsere Landwirte spritzten immer mehr Pflanzenschutzmittel.“ Mehr noch: Es sei der tiefste Stand seit zehn Jahren erreicht.

Doch trifft der dadurch beim Betrachter entstehende Eindruck zu, dass Landwirte in Zeiten von Artenschwund und Grundwasserbelastung nun freiwillig von der Spritze lassen würden? Martin May, Chef der Kommunikation beim IVA, in dem die führenden Hersteller wie BASF, Bayer oder Syngenta zusammengeschlossen sind, räumt auf Nachfrage der FR ein, dass es für den Rückgang klare Gründe gibt: Der trocken-heiße Sommer war’s, der 2018 den Absatz und damit auch den Umsatz der Unternehmen maßgeblich purzeln ließ, und zwar um knapp 15 Prozent (Absatz) respektive 7,4 Prozent (Umsatz).

Bei trocken-heißer Witterung sprießt weniger Unkraut, und lästiger Pilzbefall tritt ebenfalls kaum auf. Doch es gibt weitere Gründe: Die Zunahme des Ökolandbaus auf jetzt mehr als neun Prozent der Fläche trägt zum generellen Absatzrückgang bei. Ein wesentlicher Grund liegt zudem darin, dass der besonders Pestizid-trächtige Anbau von Raps auf ein Tief fiel. Den Landwirten geht aufgrund von Resistenzen die Wirkstoff-Palette verloren, sie bauen die Ölfrucht deshalb seltener an. Im Gegensatz dazu nahm die Maisanbaufläche zu – und damit auch der Herbizidverbrauch, und zwar um drei Prozent.

Viel Landwirte seien aufgrund des Drucks der Öffentlichkeit sensibler geworden und setzten etwa weniger Glyphosat ein, sagt der Landwirt und Grünen-Europaabgeordnete Martin Häusling. „Doch was ist, wenn wir mal wieder einen feuchten Sommer bekommen?“ Er glaube, dass dann hehre Vorsätze rasch über Bord geworfen würden, so Häusling.

Zumal 2018 zwar weniger Unkraut- und Pilzvernichter verkauft wurden, der Inland-Umsatz von Insektenkillern aber um 3,1 Prozent anstieg. Damit wurden zum Beispiel Heerscharen von Blattläusen im frischen Wintergetreide bekämpft. Doch nicht nur der inländische Insektizidmarkt wuchs: Auch der Weltmarkt für Pflanzenschutzmittel gedeiht. 2018 legte er fünf Prozent zu.

Deutsche Erzeuger haben daran ihren gehörigen Anteil. So sind zwar Produkte mit Wirkstoffen aus der Klasse der Neonikotinoide im Binnenland 2018 kaum noch verkauft worden, da nur noch wenige Mittel eine Zulassung haben. Beim Export aus Deutschland in die Welt aber spielen diese Stoffe immer noch eine bedeutende Rolle.

Das trifft nicht nur auf Neonikotinoide zu, sondern auch auf eine Reihe anderer gefährlicher Mittel, wie das Pestizid Aktions-Netzwerk PAN Germany in einem Report beschreibt. Danach handele es sich bei 62 aus Deutschland exportierten Mitteln um „hochgefährliche“ Wirkstoffe.

Neun von ihnen haben in der EU keine Zulassung mehr, weil sie als krebserzeugend oder reproduktionstoxisch gelten. Einen Teil der in der EU verbotenen Substanzen „bekommen wir als Rückstände in Kaffee, Tee, Zitrusfrüchten und anderen Lebensmitteln zurück auf den Tisch“, warnt PAN.

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