Grüne Europagruppe Grüne EFA

Brüssel -  Die Vorschläge der EU-Kommission für ein neues  Tierarzneimittelrecht gehen nach Ansicht des agrarpolitischen Sprechers der Grünen/EFA im Europäischen Parlament, Martin Häusling, am Hauptproblem, der ausufernden Antibiotika-Anwendung, vorbei:
„Statt sich endlich um eine Eindämmung des Antibiotika-Verbrauchs zu kümmern und damit das aktuelle Kernproblem zu lösen, will die Kommission die Zulassungs-bestimmungen für neue Tierarzneimittel lockern. Die Behauptung, es gebe zu wenig Mittel, aber ist nicht belegt und trifft aus meiner Sicht auch gar nicht zu.
Die Probleme, die wir in der Tierhaltung haben, sind ganz anders gelagert und hängen fast immer mit den Antibiotika zusammen: Das völlig unambitionierte Tierarznei-mittelpaket der Kommission will zwar die Anwendung von Reserve-Antibiotika, die für die Behandlung von Menschen oft der letzte Rettungsanker sind, zurückdrängen. Aber die Vergabe dieser Mittel im Stall will die EU-Kommission nicht verbieten, sondern allenfalls einschränken. Ihre Vorschläge zu diesem Punkt sind schwammig, denn sie lassen jede Menge Ausnahmen zu. Reserve-Antibiotika haben aus meiner Sicht in der Tierhaltung nichts zu suchen und müssen allein der Behandlung kranker Menschen vorbehalten bleiben.
Ungelöst ist zudem das Problem der prophylaktischen Vergabe von Antibiotika. Denn das Verbot der vorbeugenden Anwendung wird in der Praxis kaum kontrolliert. Nach wie vor werden zwei Drittel der Antibiotika im Tierbereich, nur ein Drittel in der Humanmedizin eingesetzt. Allein dieses Missverhältnis zeigt, dass dringend gegengesteuert werden muss.
Dazu gehört das Ende der Metaphylaxe, wenn, weil ein Schwein krank ist, alle anderen 999 gesunden Tiere im Stall ebenfalls medikamentös behandelt werden, obwohl die Masse der Tiere die Arznei gar nicht benötigt. Mit dieser unnötigen Praxis muss Schluss sein. Es muss die individuelle Behandlung des Tiers auch in großen Ställen möglich sein. Denn die mögliche Massenbehandlung an sich gesunder Tiere ist das Einfallstor  für Missbrauch.“

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