Antibiotikaresistente Keime im Abwasser – seit Jahren bekanntes Risiko am Goldbach Gudensberg
Anlässlich des HNA-Artikels „Antibiotikaresistente Keime im Abwasser: Plukon investiert Millionen“ vom 13. November 2025 erklärt Martin Häusling, MdEP für Greens/EFA und Mitglied im Agrar-, Umwelt- und Gesundheitsausschuss des Europäischen Parlaments:
Gudensberg. Bereits seit drei Jahren weist Martin Häusling auf die Risiken hin, die von antibiotikaresistenten Keimen im Abwasser des Plukon-Standorts in Gudensberg ausgehen. Dass das Thema nun endlich öffentlich diskutiert wird, ist aus Sicht von Martin Häusling überfällig.
„Wir sind dankbar, dass die Stadt Gudensberg jetzt aktiv wird, mit den Bürgerinnen und Bürgern in den Dialog geht und Aufklärungsarbeit leistet. Das ist ein wichtiger Schritt in Richtung Transparenz und Vertrauen“, sagt der EU-Abgeordnete Martin Häusling.
Allerdings widerspricht Martin Häusling der Bürgermeisterin Sina Massow hinsichtlich der Spielstellen am Goldbach und weist darauf hin, dass sowohl an der Goldbach-Brücke auf dem musikalischen Wanderweg regelmäßig Kinder und Hunde im Goldbach spielen. Außerdem gibt es auf dem Madener Spielplatz einen Zugang zum Goldbach-Wasser.
„Beide Stellen führen potenziell belastetes Abwasser. Besonders an diesen Stellen sollten Warnschilder angebracht werden“, betont der Grünen-Abgeordnete Häusling.
Ablenkung durch Grenzwert-Debatte
Bei antibiotikaresistenten Keimen im Abwasser gilt die Devise: Die Qualität der Keime ist entscheidend, nicht deren Quantität. Die vorhandenen Keime sind schädlich und können ihre Resistenzeigenschaften weitergeben. Das allein genügt, um Schutzmaßnahmen zu ergreifen – eine Grenzwertdebatte lenkt hiervon ab und ist daher fehl am Platz.
„Theoretisch reicht ein einziges resistentes Bakterium, um eine Infektion auszulösen – insbesondere bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem. Deshalb ist es irreführend zu sagen, der Fund resistenter Keime sei ‚nicht gefährlich‘, nur weil kein Grenzwert überschritten wurde. In biologischen Fragen funktioniert dieses Denken nicht“, so Häusling.
Auch beim Schutz von Beschäftigen vor sogenannten Biostoffen, zu denen u.a. Bakterien zählen, gibt es keine Grenzwerte. wie bei chemischen Stoffen. Stattdessen werden Biostoffe nach Infektionspotenzial in vier Risikogruppen eingeteilt, die im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung in den Betrieben berücksichtig werden müssen. Diese Einstufung ist Grundlage für die Festlegung geeigneter Arbeitsschutzmaßnahmen, die z.B. bei der Arbeit in Laboren, der Biotechnologie oder im Gesundheitswesen in verschiedenen Schutzstufen zusammengefasst werden und verbindlich sind. Bislang wird bei der Risikoeingruppierung die Antibiotikaresistenz nach Auskunft der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) noch nicht berücksichtigt. Mögliche Kontakte mit resistenten Infektionserregern bei der Arbeit (z.B. in der Landwirtschaft) sollten im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung allerdings berücksichtigt werden.
Jeder Eintrag resistenter Bakterien in die Umwelt, sei es über die Abluft oder die Gülle industrieller Tierhaltung oder eben über das Abwasser aus Schlachthöfen und Krankenhäusern bedeutet ein Risiko für die gesamte Bevölkerung“, erklärt Martin Häusling mit Blick auf die WHO, die antibiotikaresistenten Bakterien als eines der größten Gesundheitsgefahren für die Menschheit bezeichnet.
Die Verantwortung liegt daher auf allen Ebenen, die Gefahr für die Bevölkerung durch gefährliche Keime abzuwenden. Die Gemeinde kann den Schlachthof hierzu sehr wohl auffordern.
Die Gefahr besteht nicht abstrakt – sie betrifft konkrete Gewässer und Ökosysteme vor Ort aber auch Mitarbeiter in der Landwirtschaft und verarbeitenden Betrieben.
Zugleich weist Häusling darauf hin, dass es kein ausdrückliches Verbot gibt, Messungen vorzunehmen: „Niemand hindert Behörden oder Betreiber daran, selbstständig Proben zu nehmen und die Ergebnisse zu veröffentlichen. Dass dies bislang kaum geschieht, zeigt vor allem mangelnden Willen zur Aufklärung. Man agiert wohl lieber nach dem Motto: „Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß.“
Daher sollten wir uns alle fragen, wie wir wegkommen von der industriellen Tiermast und hin zu einem Fleischkonsum, bei dem Klasse statt Masse im Mittelpunkt steht. Nur so kann der Antibiotikaverbrauch – und damit das Risiko der Resistenzbildung – verringert werden. Es reicht nicht, nur auf die Endbetriebe zu schauen, bei denen die antibiotikaresistenten Bakterien ankommen und gemessen werden können. Das Problem muss an der Wurzel angegangen werden“, fordert Häusling.










