Grüne Europagruppe Grüne EFA

Zum Ukrainekrieg und der Auswirkung auf die Agrarmärkte, kommentiert Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen im Europäischen Parlament und Mitglied im Umweltausschuss:

„Der Krieg in der Ukraine zeigt uns, wie abhängig viele Länder von den Agrar-Lieferungen aus Russland und der Ukraine sind - besonders beim Getreide, das gilt auch für Europa. Europa muss sich umgehend von russischen Agrar-Lieferungen unabhängiger machen.
Aber wir müssen auch unserer Verantwortung gegenüber Regionen wie Ostafrika und dem Nahen Osten gerecht werden, die in deutlich höherer Abhängigkeit von Russland und der Ukraine stehen. Ägypten allein bezieht 80% seiner Weizenlieferungen aus diesen beiden Ländern. Lebensmittelkrisen in diesen Regionen wirken sich direkt auf die politische Stabilität aus. Wir müssen daher Teile unserer eigenen Reserven zur Verfügung stellen. Ein solidarisches Zusammenstehen gegen Russland ist das Gebot der Stunde.
Wir müssen aber auch zwingend darüber nachdenken, wo Getreidereserven in der Lebensmittelkette überwiegend zum Einsatz kommen. Es kann nicht sein, dass die intensive Fleischproduktion nach wie vor einen Großteil der Getreideernten verschlingt. Das war schon immer weder ökonomisch noch ökologisch nachhaltig und gehört spätestens jetzt konkret auf den Prüfstand.
Zu den aktuellen Versuchen, den Krieg in der Ukraine zu nutzen, um mit dem rhetorischen Schlagwort der „Ernährungssicherheit“ die Ziele der wichtigen landwirtschaftlichen Transformation der Farm-to-Fork Strategie der EU im Rahmen des Green Deal in Frage zu stellen, kann ich nur sagen, dass ich sie für infam halte. An allererster Stelle muss nun stehen, unsere Art, ineffizient mit Ressourcen umzugehen zu hinterfragen. Das gilt für Düngemittel genauso wie für Futtermittel.
Die Basis für Ernährungssicherheit sind fruchtbaren Böden, Biodiversität und funktionierende Ökosysteme. Wenn jetzt Vertreter der Agrarindustrie behaupten, solcherlei Firlefanz könnten wir uns jetzt nicht mehr leisten, ist das ganz einfach verantwortungslos – gerade in Fragen der Ernährungssicherheit.“

 

 

Schlagwörter:

Pressemitteilungen