Grüne Europagruppe Grüne EFA

Anlässlich der gestern von der Deutschen Umwelthilfe und Rainforest Foundation Norway vorgestellten Studie zu sogenannten „Biokraftstoffen“, erklärt der agrarpolitische Sprecher der Grünen/EFA und Mitglied im Umweltausschuss, Martin Häusling:

„Die Deutsche Umwelthilfe und die Rainforest Foundation Norway warnen in einer aktuellen Studie, dass die vermehrte Nachfrage nach Palm- und Sojaöl Ökosysteme gefährde und zur Klimakrise beitrage. Das Fazit: Biokraftstoffe sind bis zu dreimal klimaschädlicher als fossile Treibstoffe. Die wievielte Studie ist das jetzt, die das belegt?
Es zeigt sich erneut, dass die Ziele der 2018 novellierten Erneuerbare Energien Richtlinie (REDII) weder den Raubbau an der Natur stoppen konnten, noch zu besserem Klimaschutz im Verkehrssektor beitragen.
Laut RED II muss der Anteil von Erneuerbaren Energien in der EU bis 2030 auf 32 Prozent ausgebaut werden. Darin enthalten sind 14 Prozent Erneuerbarer Energien im Verkehrssektor.
Und obwohl die Europäische Kommission vor genau einem Jahr bekannt gegeben hat, dass die Beimischung von Palmöl zum Diesel als sogenannter Biotreibstoff nicht als nachhaltig eingestuft wird, soll die Nutzung von Kraftstoffen aus Palmöl und Soja erst ab 2023 auslaufen und ab 2030 komplett verboten sein. In Deutschland als größtem Hersteller von Biodiesel in der EU machte importiertes Palmöl 21 Prozent des Rohstoffs für den Biodieselverbrauch aus.
Diese Nachfrage kurbelt aktuell den Raubbau an der Natur weiter an. Und nicht nur das. Der Anbau selbst ist auch alles andere als nachhaltig. Palmölplantagen und Sojawüsten gehören neben Baumwolle zu den pestizidverseuchtesten Anbausystemen weltweit.
Sogenannte Nachhaltigkeitszertifikate sind das Papier nicht wert auf dem sie stehen, wenn sie denn nicht ohnehin völlig ignoriert werden.
Generell ist die Idee, Mobilität mittels Biomasse gewährleisten zu können, schon lange als nicht nachhaltig entlarvt. Die Energieeffizienz ist mau, der intensive Anbau nicht nachhaltig und Flächen stehen schon gar nicht dafür zur Verfügung. Aktuell kommt es zu der grotesken Situation, dass Modelle zu Klima, Artenvielfalt und Bioökonomie die Erde insgesamt mehrfach verplanen. Eine „Green Economy“, wie im Green Deal der Kommission angepeilt, muss ganz andere Mobilitätssysteme verwirklichen, deutlich mehr auf Sonne und Wind setzen und Biomasse nur dort einsetzen, wo es ohne Biomasse nicht geht. Aus Biomasse Energie zu machen, schafft neokoloniale Naturausbeutungssysteme in den Anbauländern, ist nicht klimagerecht und erst recht kein sinnvoller Umgang mit fruchtbarem Boden weltweit.“

Weitere Infos:
Wälder unter Druck. Warum die Bioökonomie unsere Biosphäre bedroht; aus KAB 2020.
PM Deutsche Umwelthilfe vom 10.03.20
Martin Häusling: Infos zu Erneuerbaren Energien

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