Grüne Europagruppe Grüne EFA

Wiesbaden - Zur Handelsreise von Agrarkommissar Phil Hogan nach Kolumbien und Mexiko in dieser Woche erklärt Martin Häusling, Agrarsprecher der Grünen/EFA im Europäischen Parlament und Mitglied im Umweltausschuss:

„EU-Agrarkommissar Phil Hogan setzt seinen Irrweg völlig unbelehrbar fort. Obwohl die EU 2014 der weltweit zweitgrößte Milchexporteur war, können Europäische Milcherzeuger von ihrem Produkt nicht leben. Doch statt aus dieser bitteren Erkenntnis Konsequenzen zu ziehen und die Überschussproduktion von Billigware zu beenden, zieht die Exportkaravane weiter. Nun heißen Kolumbien und Mexiko das Ziel. Das ist der falsche Weg. Wir brauchen eine Neuausrichtung der Erzeugung, die auf den europäischen Markt zielt und die auf Qualitätsproduktion und Tiergerechtigkeit setzt. Wir müssen weg von einem System, das austauschbare Massenprodukte erzeugt, die dann im Schlussverkauf nach Übersee verschifft werden!

Mehr als 60 Prozent der europäischen Milchexporte bestehen aus standardisierten Massenprodukten wie Milch- und Molkepulver deren Preis sich am Weltmarktpreis orientiert. Der Export dieser Produkte, vor allem der von Magermilchpulver, hat sich gegenüber 2006 verdoppelt. Die wichtigsten regionalen Absatzmärkte für europäisches Milchpulver sind der Nahe Osten und Nordafrika, gefolgt von Ostasien und Afrika südlich der Sahara.

Magermilchpulver wird dabei mit Pflanzenfett angereichert, um billiges „Vollmilchpulver“ verkaufen zu können. Dies stellt auf den Märkten in Westafrika eine billige Alternative zur Frischmilch für einkommensschwache Verbraucher dar. Mit den aus dem billigen, importierten Magermilchpulver hergestellten Produkten können einheimische Produzenten nicht konkurrieren. Der Aufbau einer eigenen Molkereiwirtschaft, die die Produkte einheimischer Erzeuger abnimmt, wird so im Keim erstickt oder im Nachhinein zerstört.

Nun soll der weiße Segen auch Kolumbiens und Mexikos Milchbauern „beglücken“: Doch in Kolumbien setzen jetzt schon die billigen Milchimporte aus Europa im Zuge des 2012 unterzeichneten Freihandelsabkommens zwischen der EU und Kolumbien die dortigen Milchproduzenten unter Druck.

Wie sollen diese Milchbauern mit unserer Produktion konkurrieren? Und weshalb eigentlich? Unsere Erzeuger haben in den letzten Jahren der Exportsteigerungen jedenfalls nichts davon gehabt. Das Zerstören von Milchbauernexistenzen durch Exportideologie muss endlich ein Ende haben.“

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