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Wälder

05.11.2020

Klöckners Jagdnovelle: Der klimagestresste Wald bleibt schutzlos

Die von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) vorgelegte Novelle des Bundesjagdgesetzes bleibt ein unzureichendes Konstrukt, das im Gegensatz zu den Ankündigungen der Ministerin fern von einer „großen Reform“ ist, kommentiert Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen im Europäischen Parlament und Mitglied im Umweltausschuss des EP:

„Alles ist möglich, also bleibt fast alles beim Alten. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) vermag es selbst im Angesicht des durch den Klimawandel ausgelösten Waldsterbens nicht, konsequente Schritte durchzusetzen, um eine natürliche und artenreiche Verjüngung der gestressten Wälder zu forcieren. Dazu müssen die Bestände an Rehwild und an Rothirschen in vielen Bereichen reduziert werden. Das aber ist mit dem im Bundeskabinett vorgelegten Entwurf für ein neues Jagdrecht nur bedingt möglich. Offenbar hat sich die Jagdlobby erfolgreich durchgesetzt, um die Wildbestände hochzuhalten.
Es bleibt zwar bei dem bereits im Sommer angekündigten Mindestabschuss für Rehwild, um dem natürlichen Waldaufwuchs eine Chance zu geben und „eine Naturverjüngung des Waldes im Wesentlichen ohne Schutzmaßnahmen“ zu ermöglichen, was im Prinzip eine richtige Vorgabe ist. Aber nun fügt die Novelle Obergrenzen und einen zahlenmäßigen „Korridor“ ein, innerhalb dessen die Bestände reguliert werden dürfen. Damit aber ist klar: Da im Regelfall der Wildbestand stets zu klein gerechnet wird, bleibt es auch künftig bei hohen Wildbeständen und waldschädigenden Verbiss- und Schälschäden. Sie aber verhindern den gerade im Klimawandel nötigen artenreichen Wald.
Daran werden nur im optimalen Fall die angekündigten Vegetationsgutachten oder die völlig unbestimmte „Möglichkeit“ noch ein „Lebensraumgutachten“ hinzuzuziehen, etwas ändern können. Wer erstellt diese Gutachten? Wer gibt sie in Auftrag? Und vor allem: Was sind die Kriterien, an denen sich ein Gutachter orientieren soll? Zu erwarten steht, dass lediglich Verbiss und Schälung der bekannten Hauptbaumarten, also an Fichte, Kiefer, Buche und Eiche, Grundlage sein werden. Das aber kann keinesfalls ausreichend sein. Basis muss die gesamte natürlicherweise zu erwartende Vegetation sein. Obendrein ist alles auf Freiwilligkeit ausgerichtet, die Rolle der oft wenig sachverständigen Grundstückseigner bleibt schwach, und die Rolle der Behörden steht soweit am Ende des Prozesses, dass sie wohl erst eingreifen können, wenn alles eklatant aus dem Ruder gelaufen ist.
Überdies orientiert sich das Klöckner-Papier allein am Reh- und – wegen der Afrikanischen Schweinepest - am Schwarzwild. Die örtlich ungleich größeren Probleme im Wald und auf umliegenden Feldern aber bereitet das Rotwild. Diese Wildtierart aber wird wegen der Trophäe gehätschelt und stellt besondere Lebensraumansprüche, die hierzulande kaum noch erfüllt werden können. Zu diesem mit viel Tradition und Ideologie versehenem Kapitel schweigt die Ministerin, dabei ist gerade an diesem Punkt die Antiquiertheit des deutschen Jagdrechts offenkundig. Daran will sich Klöckner nicht die Finger verbrennen. Sie bleibt, wie so oft, hinter ihren blumigen Worten mutlos.“

 

06.10.2020

Spannende Abstimmung im Europäischen Parlament zur Forststrategie: Im Klimawandel muss die Nutzung der Wälder reduziert werden

Die europäische Forststrategie steht im Zentrum einer Debatte des Europäischen Parlaments, die am Vormittag beginnt. Für die Grünen ist klar: Die vom Agrarausschuss vorgelegten Vorschläge für die Forststrategie sind für die Fraktion nicht tragbar. Bei der Abstimmung im Plenum werden die Grünen deshalb für die Position des Umweltausschusses stimmen. Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen und Mitglied im Umweltausschuss, kommentiert:

„Unsere Wälder sind in einem katastrophalen Zustand. Nicht nur in Übersee, auch in Europa sieht es düster aus für die Wälder. Trockenheit, Schädlingsbefall und Waldbrände: Der Klimawandel ist zu einem riesigen Problem in den Wäldern geworden. Selbst bei Wäldern, die zum Natura-2000-Netz gehören, weisen nur 15 Prozent einen guten Zustand auf [1].
Die Europäische Kommission muss ihre Vorstellungen für eine Forststrategie so schnell wie möglich überarbeiten. Wir brauchen dringend zielführende gesetzliche Vorgaben, um unsere Wälder vor der weiteren Zerstörung zu schützen. Es ist auch richtig, dass das Europäische Parlament sich seinerseits mit Beiträgen zur Forststrategie beteiligt.
Die Schwerpunktsetzung im Europäischen Parlament ist, da vorwiegend an der Nutzung statt an der Bewahrung orientiert, allerdings besorgniserregend. Diese Auffassung darf so keinesfalls in die Forststrategie oder andere Waldgesetzgebung einfließen. Denn meine konservativen Kollegen sprechen gerne von ‚multifunktionaler Forstwirtschaft‘ und ‚nachhaltiger Waldbewirtschaftung‘. Im Sinn haben sie dabei aber die Nutzung der Wälder als Rohstoffquelle: Holz zur Energiegewinnung und als Bau- und Werkstoff.
Das Argument, Holz sei als nachwachsender Rohstoff klimafreundlich, ist einfach falsch. Wir dürfen nicht weiter versuchen, unsere Klimabilanz zu beschönigen, indem wir Holz in Kohlekraftwerken verfeuern. Mit jedem verheizten Baum wird auch das CO2 freigesetzt, das er gespeichert hatte. Der Klimawandel lässt grüßen und die Artenvielfalt bleibt dabei auf der Strecke. Auch lassen sich alte gefällte Bäume nicht einfach, wie gerne behauptet, durch Neupflanzungen ersetzen. Besonders alte Bäume lagern besonders viel CO2 ein und haben darüber hinaus unschätzbaren Wert für unsere Ökosysteme.
Bei der heutigen Diskussion und Abstimmung prallen also zwei Welten aufeinander. Wir Grüne haben dazu aufgerufen, nicht für die Position des Landwirtschaftsausschusses zu stimmen, der - wenn auch in schöne Worthülsen gekleidet - eine weitere fatale Überbeanspruchung unserer Wälder propagiert. Stattdessen setzen wir uns dafür ein, eine Mehrheit für die Position des Umweltausschusses zu erzielen, der konstruktiv die behutsame Nutzung, aber vor allem auch den Schutz unserer Wälder erreichen will.“

[1] Hintergrundpapier Martin Häusling zur Waldnutzung

- Bericht des Landwirtschaftsausschusses zur Forststrategie

- Stellungnahme des Umweltausschusses zur Forststrategie

- Studie "Die vergebliche Suche nach dem Superbaum"

25.09.2020

Hintergrundpapier zur Waldnutzung: 'Haben wir noch einen Extra-Planeten für Wald?'

Waldnutzung2Im Hintergrundpapierwird das aktuelle Spannungsfeld in dem europäische, aber auch Wälder weltweit stehen, geschildert und soll ein Diskussionsbeitrag sein, für die vielen Perspektiven, die es dabei zu berücksichtigen gilt.

- Zum einen der Anspruch, den Wald als Rohstoffquelle der "Bioökonomie" zu nutzen: Für Holz als Baumaterial und zur Papier- und Textilherstellung, aber auch zur Energieerzeugung.
- Zum anderen die gesellschaftlich hohen Erwartungen an die Wälder, wie beispielsweise der Klimaschutz, die Bereitstellung ökologischer Dienstleistungen wie den Schutz von Arten, Boden und Wasser sowie die Nutzung als Erholungsraum.
Und das alles vor dem Hintergrund des Klimawandels, der unseren Wäldern heftig zusetzt.

Mit meinem Hintergrundpapier möchte ich aufzeigen, dass bei den zahlreichen Anforderungen, die wir stellen, eigentlich 3 Wald-Planeten nötig wären, um diesen zu genügen. In den abschließenden 12 Forderungen präsentiere ich die aus meiner Sicht drängendsten und wichtigsten Handlungsschritte für einen langfristig nachhaltigen Umgang mit unseren Wäldern. Zum Hintergrundpapier zur Waldnutzung: 'Haben wir noch einen Extra-Planeten für Wald?'

Titel waldWeiterlesen zum Thema auch in der Studie:
DIE VERGEBLICHE SUCHE NACH DEM SUPERBAUM
Der Waldkiller Dürre stellt in den Schatten, dass Stickstoff aus anthropogenen Quellen und Wildrudel der Waldnatur seit Jahrzehnten massiv zusetzen, von STEPHAN BÖRNECKE

05.07.2020

NTV Illegaler Kahlschlag: Holzmafia rodet skrupellos Rumäniens Urwälder

Holzmafia Rumänien ntv

NTV 4.7.2020 Illegaler Kahlschlag Holzmafia rodet skrupellos Rumäniens Urwälder
In den Natura-2000-Schutzgebieten in Rumänien leben Braunbären, Luchse und seltene Insektenarten. Jedenfalls noch. Denn die Urwälder sind in Gefahr: Die Holzmafia droht die unberührte Natur zu zerstören und zu Geld zu machen. Und die rumänische Regierung? Bleibt tatenlos. 

11.06.2020

Studien "Die Vergebliche Suche nach dem Superbaum"

Titel wald

In der am 11.06.2020 vorgestellten Studie beschäftigt sich der Autor und Journalist Stephan Börnecke nach seinem letzten erfolgreichen Dossier „Die unheimliche Artenerosion“  in seiner neuesten Arbeit nun mit den Fragen des ökologischen Waldumbaus in Zeiten des Klimawandels, dem Sinn von Waldschadensberichten, dem Dauerproblem Wildverbiss sowie dem fehlenden Waldschutz im europaweiten Netzwerk Natura 2000. Dabei legt er vor allem Augenmerk auf den Waldkiller Dürre sowie die Schäden an der Waldnatur durch Stickstoff-Emissionen und Wildrudel.

    Download der Waldstudie

Das Webinar zur Vorstellung der Studie am 11. Juni 2020 kann hier nochmal angeschaut werden.

Die Präsentationen der Podiumsteilnehmer*innen sind hier zu finden:

   Stephan Börnecke - Autor (PDF 4,5 Mb) 

   Jörg-Andreas Krüger - Präsident NABU (PDF, 0,5 Mb)

   Prof. Dr. Diana Pretzell - Direktorin Biodiversitätspolitik des WWF (PDF, 4,7 Mb)

   Prof. Dr. Pierre Ibisch - Center for Economics and Ecosystem Management HNEE Eberswalde (PDF, 4,9 Mb)


 

11.06.2020

Sterbende Wälder im Klimawandel - Schadstoffe reduzieren, Waldbau ändern und Klimawandel bekämpfen

Der deutsche und europäische Wald muss angesichts seiner zentralen Rolle beim Klimaschutz stärker in den Fokus der Öffentlichkeit rücken, verlangt Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen im Europäischen Parlament und Mitglied des Umweltausschusses. Zur Vorstellung der von ihm herausgegebenen und von dem Journalisten Stephan Börnecke verfassten Wald-Studie „Die vergebliche Suche nach dem Superbaum“ sagt Häusling:

„Nach zwei Dürrejahren steht der Wald bei uns buchstäblich in ‚Flammen‘: Das Sterben der Bäume hat dramatische Züge angenommen. Das Katastrophale dabei ist, dass es längst nicht mehr die Fichten- oder Kiefern-Monokulturen allein sind, die auf großen Flächen absterben. Sondern betroffen ist inzwischen auch die Baumart, die natürlicherweise das Waldbild in Mitteleuropa prägen würde: Auch Buchen sterben inzwischen in größeren Parzellen ab.

Die Gründe dafür sind vielschichtig: Eine nie ausreichend gestoppte Schadstoffbelastung aus der Luft, an der Verkehr sowie Verbrennungsprozesse zur einen, aber auch die Landwirtschaft zur anderen Hälfte beitragen, wirkt sich in Zeiten des Klimawandel besonders dramatisch aus. Es muss endlich in der Öffentlichkeit verstanden werden, dass diese Belastung drastisch verringert werden muss und alle Anstrengungen zur Begrenzung des Temperaturanstiegs aktiviert werden.

Gleichzeitig, und auch das zeigt sich in diesen Jahren, müssen die Förster und Waldbesitzer ihre bisherigen Waldbaumethoden überdenken. Plantagenanbau verbietet sich ohnehin, aber auch freigestellte ältere Buchen sind dem Klimawandel ausgeliefert und zeigen dramatische Ausfallerscheinungen. Etwa dann, wenn der Schirm aufgerissen wird, um inmitten des natürlich gewachsenen Buchenwalds nordamerikanische Nadelhölzer zu pflanzen.

Eins muss auch klar sein: Die Suche nach dem Superbaum, auf den manche hoffen, wird vergeblich bleiben. Es hat überhaupt keinen Sinn, sich weiter auf Douglasien statt auf Fichten zu stützen. Auch Douglasien kommen mit den Folgen des Klimawandels nicht klar, auch sie werden von Borkenkäfern befallen und sind Opfer von Stürmen, während heimische Kiefern noch locker Stand halten.

Was wir brauchen, ist ein natürlicherer Waldbau, der sich weniger als bisher am maximalen Profit orientiert.“

 

Der Journalist und Autor Stephan Börnecke hat die Studie „Die vergebliche Suche nach dem Superbaum – Der Waldkiller Dürre stellt in den Schatten, dass Stickstoff aus anthropogenen Quellen und Wildrudel der Waldnatur seit Jahrzehnten massiv zusetzen“ im Auftrag von MdEP Martin Häusling verfasst. Diese Studie stellt eine Fortsetzung dar des erstmals im Januar 2016 erschienenen und zuletzt 2019 ergänzten Dossiers „Wir sind dann mal weg – Die (un-)heimliche Arten-Erosion“ zur Rolle der Landwirtschaft beim Verlust der Biodiversität.

Link zur Wald-Studie

11.06.2020

Neue Studie: Sterbende Wälder im Klimawandel - Schadstoffe reduzieren, Waldbau ändern und Klimawandel bekämpfen

Titel waldDer deutsche und europäische Wald muss angesichts seiner zentralen Rolle beim Klimaschutz stärker in den Fokus der Öffentlichkeit rücken, verlangt Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen im Europäischen Parlament und Mitglied des Umweltausschusses. Zur Vorstellung der von ihm herausgegebenen und von dem Journalisten Stephan Börnecke verfassten Wald-Studie „Die vergebliche Suche nach dem Superbaum“ sagt Häusling:

„Nach zwei Dürrejahren steht der Wald bei uns buchstäblich in ‚Flammen‘: Das Sterben der Bäume hat dramatische Züge angenommen. Das Katastrophale dabei ist, dass es längst nicht mehr die Fichten- oder Kiefern-Monokulturen allein sind, die auf großen Flächen absterben. Sondern betroffen ist inzwischen auch die Baumart, die natürlicherweise das Waldbild in Mitteleuropa prägen würde: Auch Buchen sterben inzwischen in größeren Parzellen ab.

Die Gründe dafür sind vielschichtig:

13.02.2020

EU-Mahnschreiben wegen illegaler Abholzungen: Lichtblick für Rumäniens Urwälder

Den illegalen Abholzungen in Europas letzten Urwäldern in Rumänien schiebt die Europäische Kommission mit ihrem Mahnschreiben vom gestrigen Mittwoch nun hoffentlich einen Riegel vor. Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen im Europäischen Parlament und Mitglied im Umweltausschuss, kommentiert diesen überfälligen Schritt:

„Es ist ein Trauerspiel und ein Verbrechen an einmaligen Naturschätzen, wie in Rumänien jahrhundertealte Bäume dem Profit geopfert werden. Der Wald wird ausgebeutet als Rohstofflieferant, und die Holzfäller sowie die dahinter stehenden Auftraggeber kümmert es nicht, ob die Bäume in geschützten Gebieten stehen oder nicht. Rumänien verstößt seit Jahren gegen die EU-Vorgaben und betreibt im großen Stil Raubbau in Natura 2000- und UNESCO-Weltnaturerbe-Gebieten. Ich begrüße es sehr, dass die Europäische Kommission jetzt endlich durchgreift und die rumänische Regierung zu einer Änderung ihres Verhaltens zwingen will.
Dass nun endlich nach Jahren tatenlosen Zusehens etwas geschieht, kommt allerdings erst durch den massiven Druck zustande, den örtliche und internationale Naturschutzorganisationen, darunter Agent Green, Client Earth und Euronatur, ausübten. Den Organisationen gebührt großer Dank, dass sie nicht locker ließen. Diese Arbeit haben wir Grüne erst kürzlich mit einer Informations- und Protestveranstaltung in Brüssel unterstützt, zu der wir auch Vertreter der Kommission geladen hatten. Das scheint nun gefruchtet zu haben.
Jetzt ist die rumänische Regierung am Zug, die vier Wochen Zeit hat, um mit einem konkreten Maßnahmenkatalog aufzuwarten. Anderenfalls kommt der Fall vor den Europäischen Gerichtshof. Wir werden uns weiterhin dafür einsetzen, dass jetzt wirklich ernst gemacht wird: Weitere Urwaldriesen dürfen nicht fallen.
Denn wir können es nicht weiter hinnehmen, dass unter dem Deckmantel der Nutzung ‚nachwachsender Rohstoffe‘ unwiederbringliche Wälder vernichtet werden.“

Weiterführende Links:
Mitteilung der Europäischen Kommission zum Mahnschreiben an Rumänien: https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/en/inf_20_202
Veranstaltung zur Abholzung in den Karpaten von Martin Häusling/Anna Deparnay-Grunenberg vom 22.01.2020: https://www.martin-haeusling.eu/themen/eu-umweltpolitik/2471-europas-urwaelder-schuetzen-rodungen-in-den-karpaten-stoppen.html
Mitteilung von EuroNatur zur Mitteilung der Europäischen Kommission: https://www.saveparadiseforests.eu/en/eu-announces-legal-action-against-romanian-authorities-for-illegal-logging-of-europes-last-natural-forest/

 

05.02.2020

EU-Forstkonferenz: Hände weg von alten Wäldern!

Europa muss deutlich mehr für den Erhalt seiner alten Wälder tun, und zwar nicht nur wegen des Natur- und Artenschutzes sowie der Landschaftsästhetik, sondern gerade auch wegen des Klimawandels, kommentiert Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen im Europäischen Parlament und Mitglied im Umweltausschuss, die Ergebnisse der heutigen Internationalen Forstkonferenz der Europäischen Kommission in Brüssel:

„Die Experten haben sehr deutlich gemacht, dass alte Wälder erheblich mehr CO2 speichern, als dies selbst im großen Stil angepflanzte junge Bäume tun können. Die Praxis ist allerdings in Europa eine andere: Statt alte Wälder zu bewahren, werden die Nutzungsmengen angehoben und das Alter der sogenannten Endnutzung herabgesetzt. Buchen und andere Bäume werden in jugendlichem Alter gefällt. Das Fatale ist: Oft steht die Brennholznutzung im Vordergrund; es werden wertvolle Wälder also buchstäblich verheizt, statt sie als Bewahrer des Klimas zu erhalten.
Hinzukommt angesichts fallender Fichtenholzpreise und enormer Importe etwa von Holzpellets, dass der wertvolle, CO2-bindende Rohstoff nicht nur in kleinen Kaminöfen, sondern zunehmend auch in Kraftwerken verfeuert wird. Dieser Unfug muss aufhören und zwar schon deshalb, weil auch die Verbrennung des nachwachsenden Rohstoffs Holz keineswegs klimaneutral ist: Die Hälfte des Baums steckt im Boden, und auch vom Aufwuchs wird nur ein Teil verwendet. Der Rest verrottet und setzt Klimagase frei.
Eindringlich appelliere ich an Kommission und Mitgliedsstaaten, endlich die oftmals illegale Nutzung der letzten Urwälder etwa in den Karpaten Rumäniens und angrenzender Länder einzustellen. Wenn die EU wie derzeit eine Strategie zum Schutz der Wälder erarbeitet, dann kann dies glaubwürdig nur dann geschehen, wenn der Urwaldschutz in Europa höchste Priorität genießt. Das ist aber leider überhaupt nicht der Fall. Selbst streng geschützte, zum Weltnaturerbe zählende Wälder werden immer noch der Abholzung frei gegeben. Die illegale, von Korruption begleitete Praxis muss unverzüglich beendet werden.“

Weiterführende Informationen:

Waldkonferenz „International Conference on Forests for Biodiversity and Climate“: https://ec.europa.eu/info/events/international-conference-forests-biodiversity-and-climate_de
Veranstaltung zur Abholzung in den Karpaten: https://martin-haeusling.eu/themen/eu-umweltpolitik/2471-europas-urwaelder-schuetzen-rodungen-in-den-karpaten-stoppen.html
Wald-Dossier von S. Börnecke: Vorabveröffentlichung des 1. Kapitel unter https://martin-haeusling.eu/presse-medien/publikationen/2288-wald-dossier-von-stephan-boernecke-vorabveroeffentlichung-des-1-kapitel.html

03.02.2020

Europäische Wälder: Ernsthaft in Gefahr

Am 4. und 5. Februar hält die Europäische Kommission eine internationale Konferenz zu ‚Wälder für Artenvielfalt und Klima‘ in Brüssel ab. Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen und Mitglied im Umweltausschuss, kommentiert:

„Unsere Wälder leiden sichtbar. Trockenheit, Borkenkäfer und Übernutzung hinterlassen deutliche Spuren. Es ist allerhöchste Zeit, dass wir in Europa unseren bisherigen Umgang mit unseren Wäldern überdenken. Fingerzeige auf Brasilien und andere Weltteile genügen nicht, wenn es darum geht, die grünen Lungen unserer Erde am Leben zu halten.
Die Europäische Kommission hat mit ihrem Green Deal ein mögliches Instrument ausgewählt, um den Zustand der Wälder längerfristig zu verbessern. Erste Vorstellungen der Forststrategie aber wecken Zweifel daran, dass die Vorhaben in die richtige Richtung gehen. Es steht zu befürchten, dass die Nutzung der Wälder intensiviert werden soll. Das geht in die falsche Richtung, stattdessen sollten mehr Waldflächen unter Schutz gestellt werden und die nachhaltige Nutzung von Wäldern priorisiert werden. Baumplantagen sind nicht zukunftsfähig.
Umweltschutzverbände jedenfalls sind wenig optimistisch, sie befürchten, dass die Biodiversitätsstrategie und die Waldstrategie sich gegenseitig ausspielen. Ihr Protest im Vorfeld der Waldkonferenz sollte ernst genommen werden.“

Weiterführende Informationen:

Protest zur internationalen Waldkonferenz in Brüssel (Robin Wood, EuroNatur, Agent Green):
4. Februar 2020 um 8:45 Uhr über dem Tunnel der Rue de la Loi, direkt westlich des Robert Schumann-Kreisverkehrs in Brüssel

Waldkonferenz „International Conference on Forests for Biodiversity and Climate“: https://ec.europa.eu/info/events/international-conference-forests-biodiversity-and-climate_de

Veranstaltung zur Abholzung in den Karpaten: https://martin-haeusling.eu/themen/eu-umweltpolitik/2471-europas-urwaelder-schuetzen-rodungen-in-den-karpaten-stoppen.html

Wald-Dossier von S. Börnecke: Vorabveröffentlichung des 1. Kapitel unter https://martin-haeusling.eu/presse-medien/publikationen/2288-wald-dossier-von-stephan-boernecke-vorabveroeffentlichung-des-1-kapitel.html

22.01.2020

Karpaten: UNESCO-Weltnaturerbe darf nicht dem Raubbau anheimfallen!

Die Rodungen der teils uralten Buchen-Wälder des UNESCO-Weltnaturerbes "Alte Buchenwälder und Buchenurwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas" stehen am heutigen Mittwoch im Zentrum in einer Diskussionsveranstaltung der EU-Parlamentarier Anna Deparnay-Grunenberg und Martin Häusling (Grüne). Ihr Ziel ist es, die illegalen Abholzungen in den Karpaten-Wäldern, einem der größten Naturschätze Europas, endlich zu stoppen und diese Keimzellen artenreicher Wälder Europas zu erhalten.

Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen und Mitglied im Umweltausschuss des Europäischen Parlaments kommentiert:
„Natürliche Urwälder werden auf unserem Planeten immer seltener. Fassungslos schauen wir auf die Naturvernichtung im Amazonas. Aber zu unserem Entsetzen findet diese Vernichtung auch mitten in Europa statt! Hier in Europa aber können und müssen wir konkret handeln, um den Naturfrevel zu verhindern. Die Rodungen in den Karpaten sind illegal. Sie verstoßen gegen die Auflagen aus dem europaweiten Netzwerk Natura 2000 und führen zu ökologischem und menschlichem Leid. Wird diese Naturzerstörung nicht sofort beendet, dann drohen auch Konsequenzen hier bei uns in Deutschland. Denn wenn die rumänischen
Karpaten-Buchenwälder den UNESCO-Weltnaturerbe-Status verlieren, dann könnte auch die Aberkennung dieses Titels für die ebenfalls zu dem Cluster gehörende Nationalparke wie der Kellerwald, der Hainich oder der Serrahn folgen. Ein immenser Verlust für uns alle.“

Anna Deparnay-Grunenberg, Mitglied im Agrarausschuss des Europäischen Parlaments ergänzt:
„Die Urwälder der Karpaten sind einzigartig in Europa. Nirgends sonst gibt es noch unangetastete Natur in diesem Umfang und nirgends sonst ist der Artenreichtum in der Tier- und Pflanzenwelt größer. In Zeiten der Klimakrise und des Waldsterbens werden diese Urwälder hier zu genetischen Schatzkammern. Dieser Einzigartigkeit verdanken sie auch ihren Schutzstatus und wir müssen alles Erdenkliche tun, um weiteren Verlust von Wäldern und Artenvielfalt zu verhindern.
Auch die EU-Kommission ist in der Pflicht, alle ihr zur Verfügung stehenden Hebel zu nutzen, um den Raubbau an unseren Naturschätzen zu stoppen. Ich bin überzeugt, dass eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung in den betroffenen Gebieten möglich ist. Diese würden den Menschen vor Ort einen würdigen Lebensunterhalt ermöglichen - im Einklang mit der Natur.“

Veranstaltung zu den Karpaten: https://www.martin-haeusling.eu/termine/2456-save-the-date-lunch-event-on-the-carpathian-mountains.html
http://www.weltnaturerbe-buchenwaelder.de/