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Lieferkette

15.06.2022

PM zur Studienvorstellung: „Ukraine-Krieg und globale Lebensmittelversorgung: Auswirkungen und agrarpolitische Handlungsoptionen“

Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen im Europäischen Parlament und Mitglied im Umweltausschuss und Sarah Wiener, Mitglied im Agrar- und Umweltausschuss stellen heute die von Ihnen in Auftrag gegebene Studie zum Ukraine-Krieg und der globalen Lebensmittelversorgung vor:

Die Studie wurde erstellt von Prof. Dr. Sebastian Lakner, Professor für Agrarökonomie an der Universität Rostock, zusammen mit Dr. Wilhelm Klümper und Kristina Mensah.

Martin Häusling: „Während in der EU aufgrund eines hohen Selbstversorgungsgrades keine Gefährdung der Versorgung vorliegt, sind vor allem importabhängige Länder im Nahen Osten, Afrika und Asien vom Ausfall von Getreide- und Ölsaaten-Lieferungen betroffen. Die Studie beschreibt die Wirkungen fehlender Exporte aus der Ukraine und diskutiert mögliche politische kurz- und mittelfristige Handlungsoptionen der EU und Deutschland. Ein für mich wichtiger Punkt ist dabei die Hinterfragung der Verwendung von Getreide und Ölsaaten für Biokraftstoffe. Schon seit langem steht fest, dass dies noch nicht einmal dem Klima hilft, aktuell aber müssen wir uns definitiv fragen, ob es moralisch verantwortbar ist, lebensmittelfähige Produkte in den Tank zu werfen, während woanders Nahrung fehlt.“

Sarah Wiener: „Die Studie arbeitet wichtige und praktische Handlungsmaßnahmen heraus. Dazu zählt neben Verbesserungen in der Getreidelogistik auch die Offenhaltung der Märkte sowie höhere finanzielle Zuwendungen an Entwicklungshilfeorganisationen. Durch den Ukraine-Krieg wird noch einmal deutlicher, dass die teils politisch gesteuerte Abhängigkeit einiger Länder im Nahen Osten und in Nordafrika eine fatale Krisenanfälligkeit mit sich bringt. Das zu beenden, muss unsere oberste Priorität sein. Vor allem angesichts der 800 Millionen, die jetzt schon an Hunger leiden. Standortangepasste, regionale Sorten und kleinstrukturierte Landwirtschaft schaffen resiliente Systeme. Das gilt auch innerhalb der EU: Jetzt Brachen zu beackern, bringt nur marginale Produktionssteigerungen, aber umso größere Schäden für Biodiversität und Artenvielfalt. Wenn wir zukünftige Krisenszenarien überstehen wollen, müssen wir unsere Nachhaltigkeitsziele einhalten. Nur das bringt uns von der Lebensmitteleffizienz in die Lebensmittelstabilität."

Die Studie wird heute um 16 Uhr vorgestellt und danach online verfügbar sein. Zur Anmeldung gelangen Sie hier.

Weitere Informationen:
Factsheet von Renate Künast und Martin Häusling zum Thema Krieg in der Ukraine und der Versorgungssituation auf den Agrarmärkten: https://www.martin-haeusling.eu/themen/welthandel-und-welternaehrung/2837-factsheet-zum-thema-krieg-in-der-ukraine-und-den-agrarmaerkten.html
Factsheet zum Thema Krieg in der Ukraine und den Agrarmärkten: https://www.martin-haeusling.eu/themen/welthandel-und-welternaehrung/2837-factsheet-zum-thema-krieg-in-der-ukraine-und-den-agrarmaerkten.html

23.03.2022

Vorschläge der EU-Kommission zur Ernährungssicherheit: Mehr Lobby-getrieben als von Vernunft getragen!

Zur Mitteilung der EU-Kommission zur Ernährungssicherheit und zur Stabilisierung der Lebensmittelkette im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine, kommentiert Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen im Europäischen Parlament und Mitglied im Umweltausschuss:

„Zur Freigabe der ökologischen Vorrangflächen für die generelle uneingeschränkte Produktion kann ich nur sagen: Das ist Schaufensterpolitik und hilft mengenmäßig nicht weiter: Würden alle aktuell in der EU brachliegenden Flächen in die Produktion von beispielsweise Getreide einbezogen, läge die Getreideproduktion nur um bis zu 4,4 % höher. Gemessen an der weltweiten Produktion wären das nur bis zu 0,4 %.

Auch dies wäre nur der Fall, wenn die Qualität des Bodens und die naturräumlichen Bedingungen keine Rolle spielten. Da die meisten dieser Flächen jedoch für eine intensive Produktion gar nicht geeignet sind, dürften die Werte noch niedriger liegen. Dafür im Angesicht des Artensterbens die letzten Rückzugsflächen wieder einer intensiven Düngung und chemischen Behandlung auszusetzen, zeugt von enormer Kurzsichtigkeit und einem Unverständnis für das Funktionieren von Ökosystemen.

Außerdem ist die EU bereits zu 112 % Selbstversorger bei Getreide und exportiert mehr als das Doppelte der Getreideeinfuhren.

Andererseits wird wiederum nicht in Erwägung gezogen, was viele Wissenschaftler dringend empfehlen, nämlich EU-weit den Beimischungsanteil von Biokraftstoffen herunter zu setzen, um Flächen für die Produktion von Nahrungsmitteln frei zu bekommen.

Mindestens genauso unfassbar finde ich auch das Vorhaben der Kommission, Hilfsgelder im Rahmen von 500 Millionen Euro u.a. auch in die extrem energiefressende und klimaschädliche Produktion von Mineraldünger zu stecken, während sie gleichzeitig der Meinung ist, eine „Eiweißpflanzenstrategie“ sei nicht nötig, die Mitgliedstaaten hätten genügend Spielraum für eine Förderung. Dabei würde ein verstärkter Leguminosenanbau die Abhängigkeit vom klimaschädlichen Mineraldünger deutlich verringern.

Fazit: Insgesamt ein mehr als schwaches Paket, mehr lobbygetrieben als von Vernunft getragen!“

 

Mitteilung der EU-Kommission „Safeguarding food security and reinforcing the resilience of food systems.”

Factsheet Martin Häusling und Renate Künast zu Ukraine-Krieg & Versorgungssituation

Berechnung BÖLL Stiftung zur Bewirtschaftung ökologische Vorrangflächen

Statement von 300 Wissenschaftler*innen fordert eine Transformation des Ernährungssystems: Weniger Fleisch und Lebensmittelverschwendung, dafür mehr Leguminosen und eine grünere Agrarpolitik.