Grüne Europagruppe Grüne EFA

Klimawandel

05.11.2020

Klöckners Jagdnovelle: Der klimagestresste Wald bleibt schutzlos

Die von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) vorgelegte Novelle des Bundesjagdgesetzes bleibt ein unzureichendes Konstrukt, das im Gegensatz zu den Ankündigungen der Ministerin fern von einer „großen Reform“ ist, kommentiert Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen im Europäischen Parlament und Mitglied im Umweltausschuss des EP:

„Alles ist möglich, also bleibt fast alles beim Alten. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) vermag es selbst im Angesicht des durch den Klimawandel ausgelösten Waldsterbens nicht, konsequente Schritte durchzusetzen, um eine natürliche und artenreiche Verjüngung der gestressten Wälder zu forcieren. Dazu müssen die Bestände an Rehwild und an Rothirschen in vielen Bereichen reduziert werden. Das aber ist mit dem im Bundeskabinett vorgelegten Entwurf für ein neues Jagdrecht nur bedingt möglich. Offenbar hat sich die Jagdlobby erfolgreich durchgesetzt, um die Wildbestände hochzuhalten.
Es bleibt zwar bei dem bereits im Sommer angekündigten Mindestabschuss für Rehwild, um dem natürlichen Waldaufwuchs eine Chance zu geben und „eine Naturverjüngung des Waldes im Wesentlichen ohne Schutzmaßnahmen“ zu ermöglichen, was im Prinzip eine richtige Vorgabe ist. Aber nun fügt die Novelle Obergrenzen und einen zahlenmäßigen „Korridor“ ein, innerhalb dessen die Bestände reguliert werden dürfen. Damit aber ist klar: Da im Regelfall der Wildbestand stets zu klein gerechnet wird, bleibt es auch künftig bei hohen Wildbeständen und waldschädigenden Verbiss- und Schälschäden. Sie aber verhindern den gerade im Klimawandel nötigen artenreichen Wald.
Daran werden nur im optimalen Fall die angekündigten Vegetationsgutachten oder die völlig unbestimmte „Möglichkeit“ noch ein „Lebensraumgutachten“ hinzuzuziehen, etwas ändern können. Wer erstellt diese Gutachten? Wer gibt sie in Auftrag? Und vor allem: Was sind die Kriterien, an denen sich ein Gutachter orientieren soll? Zu erwarten steht, dass lediglich Verbiss und Schälung der bekannten Hauptbaumarten, also an Fichte, Kiefer, Buche und Eiche, Grundlage sein werden. Das aber kann keinesfalls ausreichend sein. Basis muss die gesamte natürlicherweise zu erwartende Vegetation sein. Obendrein ist alles auf Freiwilligkeit ausgerichtet, die Rolle der oft wenig sachverständigen Grundstückseigner bleibt schwach, und die Rolle der Behörden steht soweit am Ende des Prozesses, dass sie wohl erst eingreifen können, wenn alles eklatant aus dem Ruder gelaufen ist.
Überdies orientiert sich das Klöckner-Papier allein am Reh- und – wegen der Afrikanischen Schweinepest - am Schwarzwild. Die örtlich ungleich größeren Probleme im Wald und auf umliegenden Feldern aber bereitet das Rotwild. Diese Wildtierart aber wird wegen der Trophäe gehätschelt und stellt besondere Lebensraumansprüche, die hierzulande kaum noch erfüllt werden können. Zu diesem mit viel Tradition und Ideologie versehenem Kapitel schweigt die Ministerin, dabei ist gerade an diesem Punkt die Antiquiertheit des deutschen Jagdrechts offenkundig. Daran will sich Klöckner nicht die Finger verbrennen. Sie bleibt, wie so oft, hinter ihren blumigen Worten mutlos.“

 

16.09.2020

Brandrodungen und Waldbrände in der Klimakrise: Schutz der weltweiten Wälder muss oberste Priorität bekommen

Der Schutz der Wälder der Welt muss in einer Zeit der Klimakrise absoluten Vorrang bekommen. Das verlangt das Europäische Parlament in einem Bericht. Es reagiert damit auf eine Mitteilung der Europäischen Kommission. Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen im Europäischen Parlament und Mitglied im Umweltausschuss war der zuständige Grüne bei der Erarbeitung der Parlamentsposition:

„ ‚Erst wenn der letzte Baum gerodet ist...‘ - Wer kennt es nicht, dieses vermeintliche Zitat der Cree, mit dem die US-Umweltbewegung in den achtziger Jahren groß wurde. Die Brandrodungen in Brasilien, die brennenden Wälder Kaliforniens, aber auch das immer offensichtlichere Waldsterben in Europa führen uns aktuell schmerzhaft vor Augen, welchen vernichtenden Gefahren die Wälder der Welt ausgesetzt sind.
Zwar ist die Fragilität unseres Ökosystems mittlerweile immer mehr Menschen bewusst. Doch es fehlen noch immer ausreichend ambitionierte und verbindliche politische Handlungen, um unsere ökologischen Lebensgrundlagen zu schützen und zu verbessern. Deshalb müssen die weltweiten Wälder, eigentlich stabile Pfeiler unseres Klimas, dringend mehr Schutz erhalten. Das ist das Bestreben der diese Woche verabschiedeten Parlamentsposition.
Die verpflichtende Sorgfaltspflicht ist das Herzstück der Position: In den Mägen der Europäer sollen keine Lebensmittel mehr landen, für deren Erzeugung andernorts auf der Welt Ökosysteme, gleich ob Wälder, Savannen oder Buschland, vernichtet wurden - wie das beispielsweise beim Soja-Anbau immer noch der Fall ist. Diese Probleme dürfen nicht weiter ausgeblendet oder verniedlicht werden, wie es bislang oft passiert. Stattdessen muss Europa die Versorgung seiner landwirtschaftlichen Nutztiere mit Eiweißpflanzen aus heimischem Anbau sicherstellen. Das ist auch überhaupt kein Problem.
Zum Schutz der Wälder und zu ihrer Wiederherstellung soll es verbindliche Vorgaben geben. Primärwäldern kommt dabei ein besonderer Stellenwert zu, denn Baum ist nicht gleich Baum. Alte Bäume, die viel Kohlenstoff speichern und Garanten der Artenvielfalt sind, können nicht mal rasch durch Neupflanzungen ersetzt werden. Sie erfüllen die Rolle ihrer Vorgänger erst nach vielen Jahrzehnten. Die illegale Abholzung, die auch in Europa stattfindet, muss dringend gestoppt werden. Stärker als bislang müssen Abholzungen und Umweltauswirkungen bei Handelsabkommen im Fokus stehen.
Jetzt müssen wir schnell Nägel mit Köpfen machen, die Zeit drängt. Zusammen mit der im nächsten Monat verabschiedeten Position des Europäischen Parlaments zur weltweiten Abholzung haben wir ausreichend politischen Rückhalt auf europäischer Ebene um die Probleme endlich anzugehen.“

 

19.08.2020

Positionspapier Landwirtschaft und Klimawandel: Das Schaffen stabiler Agrar-Systeme ist wichtiger als Versicherungen gegen Ernteausfälle und Klimaschäde

Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Fraktion Grüne / EFA und Mitglied im Umweltausschuss des Europaparlamentes zur Debatte um Ernteversicherungen:

„Die Folgen des Klimawandels sind in Deutschland und Europa nun im dritten Folgejahr greifbar. Ausgedehnte Dürre- und Hitzeperioden sind auch in den nächsten Jahren zu erwarten. Damit steigt das Risiko für landwirtschaftliche Betriebe, mit den bisherigen Anbauformen auch künftig noch erfolgreich zu wirtschaften.
Doch statt konsequent klimaangepasste Anbausysteme mit Humusaufbau und Artenvielfalt zu fördern, will das Bundeslandwirtschaftsministerium die Risiko-Versicherungen steuerlich erleichtern. Das stellt die Situation auf den Kopf. Risikovorsorge muss in der landwirtschaftlichen Praxis passieren und kann sich nicht im Abschluss einer Versicherung erschöpfen. Der Aufbau und die Förderung klimastabiler Systeme und vorausschauenden Handelns sind die beste Absicherung mit Blick auf die kommenden Jahre. Eine Erhöhung der Widerstandsfähigkeit gegenüber dem Klimawandel schützt Betriebe zusätzlich gegenüber Schädlingen und Krankheiten, fördert die Artenvielfalt sowie die Grundwasserbildung und ist gleichzeitig Hochwasserschutz.
Es ist überfällig, Vorgaben und Unterstützung für eine systemische Risikovorsorge – insbesondere im Hinblick auf Ertragsrisiken durch den Klimawandel - auch in der Ausgestaltung der GAP ab 2020 verpflichtend zu verankern. Die Förderkulissen müssen dringend auf ihre Klimaziele überarbeitet werden.“

Weitere Infos:
Positionspapier: Stabile Systeme first, Versicherungen second!
Studie „Vom Mythos der klimasmarten Landwirtschaft - Oder warum weniger vom Schlechten nicht Gut ist“

 

02.07.2020

Europäisches Parlament berät saubere Lieferketten: Kein Baum darf fallen für Soja-, Mais- oder Palmöl-Plantagen

Kein Wald soll künftig mehr geopfert werden, um Platz zu schaffen für den Anbau von Palmöl, Fleisch, Kakao, Kaffee, Gummi, Mais und anderen Produkten. Am heutigen Vormittag diskutiert der Umweltausschuss des Europäischen Parlaments rechtlich verbindliche Grundlagen, um „entwaldungsfreie Lieferketten“ zu garantieren und bereits vernichtete Wälder zu rekultivieren. Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen im Europäischen Parlament und Mitglied des Umweltausschusses, ist der verantwortliche Grüne für die Stellungnahme des EU-Agrarausschusses dazu:

„Die Wälder der Erde sind teilweise in einem katastrophalen Zustand: Klimawandel und Raubbau hinterlassen tiefe Spuren. Hauptgrund für die Abholzungen an vielen Orten der Welt ist die Umwandlung von Wäldern in landwirtschaftliche Nutzflächen. Soja, Rindfleisch und Palmöl allein sind zusammen verantwortlich für 80 Prozent der globalen Abholzung.
Die Menschen in Europa tragen mit ihrem täglichen Verbrauch zur globalen Abholzung bei: Denn für rund zehn Prozent der landwirtschaftlichen Produkte wurden Wälder vernichtet. Das darf so nicht weitergehen. Der Klimawandel allein gebietet dringend eine Änderung dieser für uns oft nur allzu leichtfertig ausgeblendeten ökologischen Folgen: Etwa zwölf Prozent der globalen Klimagase sind auf die weltweite Abholzung zurückzuführen.
Wir haben die ökologische und moralische Pflicht, bei unserem Konsum an das andere Ende der Warenkette zu denken. Deshalb müssen wir dafür sorgen, dass die Herkunft unserer Produkte „clean“ ist.
Dazu gehört eine verbindliche EU-Gesetzgebung für entwaldungsfreie Lieferketten. Unsere Produkte und Dienstleistungen dürfen keine Abholzung oder Degradierung oder Umwandlung von Ökosystemen verursacht haben und auch keine Menschenrechtsverletzungen an Indigenen und der Lokalbevölkerung hervorrufen.
Freiwillige Maßnahmen genügen nicht, das zeigt die Erfahrung. Wir rufen jetzt die Europäische Kommission auf, die gesetzliche Grundlage für eine verbindliche Sorgfaltspflicht zu schaffen. Handelsabkommen müssen verbindliche Vorgaben enthalten: zum Waldschutz, dem Schutz natürlicher Ökosysteme und dem Schutz der Menschenrechte. Handelsabkommen, die solche Vorgaben nicht enthalten, müssen nachgebessert werden, vor allem das zwischen der EU und den südamerikanischen Mercosur-Staaten ausgehandelte Abkommen.
Wichtig ist mir zudem, dass die EU ihre Abhängigkeit von importierten Forst-Produkten verringert: Der EU-Protein-Plan muss umgesetzt werden; Tierhaltung in der EU muss flächengebunden sein.“

Live im Umweltausschuss dabei sein (9-11 Uhr): https://multimedia.europarl.europa.eu/en/envi-committee-meeting_20200702-0900-COMMITTEE-ENVI_vd

11.06.2020

Studien "Die Vergebliche Suche nach dem Superbaum"

Titel wald

In der am 11.06.2020 vorgestellten Studie beschäftigt sich der Autor und Journalist Stephan Börnecke nach seinem letzten erfolgreichen Dossier „Die unheimliche Artenerosion“  in seiner neuesten Arbeit nun mit den Fragen des ökologischen Waldumbaus in Zeiten des Klimawandels, dem Sinn von Waldschadensberichten, dem Dauerproblem Wildverbiss sowie dem fehlenden Waldschutz im europaweiten Netzwerk Natura 2000. Dabei legt er vor allem Augenmerk auf den Waldkiller Dürre sowie die Schäden an der Waldnatur durch Stickstoff-Emissionen und Wildrudel.

    Download der Waldstudie

Das Webinar zur Vorstellung der Studie am 11. Juni 2020 kann hier nochmal angeschaut werden.

Die Präsentationen der Podiumsteilnehmer*innen sind hier zu finden:

   Stephan Börnecke - Autor (PDF 4,5 Mb) 

   Jörg-Andreas Krüger - Präsident NABU (PDF, 0,5 Mb)

   Prof. Dr. Diana Pretzell - Direktorin Biodiversitätspolitik des WWF (PDF, 4,7 Mb)

   Prof. Dr. Pierre Ibisch - Center for Economics and Ecosystem Management HNEE Eberswalde (PDF, 4,9 Mb)


 

11.06.2020

Sterbende Wälder im Klimawandel - Schadstoffe reduzieren, Waldbau ändern und Klimawandel bekämpfen

Der deutsche und europäische Wald muss angesichts seiner zentralen Rolle beim Klimaschutz stärker in den Fokus der Öffentlichkeit rücken, verlangt Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen im Europäischen Parlament und Mitglied des Umweltausschusses. Zur Vorstellung der von ihm herausgegebenen und von dem Journalisten Stephan Börnecke verfassten Wald-Studie „Die vergebliche Suche nach dem Superbaum“ sagt Häusling:

„Nach zwei Dürrejahren steht der Wald bei uns buchstäblich in ‚Flammen‘: Das Sterben der Bäume hat dramatische Züge angenommen. Das Katastrophale dabei ist, dass es längst nicht mehr die Fichten- oder Kiefern-Monokulturen allein sind, die auf großen Flächen absterben. Sondern betroffen ist inzwischen auch die Baumart, die natürlicherweise das Waldbild in Mitteleuropa prägen würde: Auch Buchen sterben inzwischen in größeren Parzellen ab.

Die Gründe dafür sind vielschichtig: Eine nie ausreichend gestoppte Schadstoffbelastung aus der Luft, an der Verkehr sowie Verbrennungsprozesse zur einen, aber auch die Landwirtschaft zur anderen Hälfte beitragen, wirkt sich in Zeiten des Klimawandel besonders dramatisch aus. Es muss endlich in der Öffentlichkeit verstanden werden, dass diese Belastung drastisch verringert werden muss und alle Anstrengungen zur Begrenzung des Temperaturanstiegs aktiviert werden.

Gleichzeitig, und auch das zeigt sich in diesen Jahren, müssen die Förster und Waldbesitzer ihre bisherigen Waldbaumethoden überdenken. Plantagenanbau verbietet sich ohnehin, aber auch freigestellte ältere Buchen sind dem Klimawandel ausgeliefert und zeigen dramatische Ausfallerscheinungen. Etwa dann, wenn der Schirm aufgerissen wird, um inmitten des natürlich gewachsenen Buchenwalds nordamerikanische Nadelhölzer zu pflanzen.

Eins muss auch klar sein: Die Suche nach dem Superbaum, auf den manche hoffen, wird vergeblich bleiben. Es hat überhaupt keinen Sinn, sich weiter auf Douglasien statt auf Fichten zu stützen. Auch Douglasien kommen mit den Folgen des Klimawandels nicht klar, auch sie werden von Borkenkäfern befallen und sind Opfer von Stürmen, während heimische Kiefern noch locker Stand halten.

Was wir brauchen, ist ein natürlicherer Waldbau, der sich weniger als bisher am maximalen Profit orientiert.“

 

Der Journalist und Autor Stephan Börnecke hat die Studie „Die vergebliche Suche nach dem Superbaum – Der Waldkiller Dürre stellt in den Schatten, dass Stickstoff aus anthropogenen Quellen und Wildrudel der Waldnatur seit Jahrzehnten massiv zusetzen“ im Auftrag von MdEP Martin Häusling verfasst. Diese Studie stellt eine Fortsetzung dar des erstmals im Januar 2016 erschienenen und zuletzt 2019 ergänzten Dossiers „Wir sind dann mal weg – Die (un-)heimliche Arten-Erosion“ zur Rolle der Landwirtschaft beim Verlust der Biodiversität.

Link zur Wald-Studie

11.06.2020

Neue Studie: Sterbende Wälder im Klimawandel - Schadstoffe reduzieren, Waldbau ändern und Klimawandel bekämpfen

Titel waldDer deutsche und europäische Wald muss angesichts seiner zentralen Rolle beim Klimaschutz stärker in den Fokus der Öffentlichkeit rücken, verlangt Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen im Europäischen Parlament und Mitglied des Umweltausschusses. Zur Vorstellung der von ihm herausgegebenen und von dem Journalisten Stephan Börnecke verfassten Wald-Studie „Die vergebliche Suche nach dem Superbaum“ sagt Häusling:

„Nach zwei Dürrejahren steht der Wald bei uns buchstäblich in ‚Flammen‘: Das Sterben der Bäume hat dramatische Züge angenommen. Das Katastrophale dabei ist, dass es längst nicht mehr die Fichten- oder Kiefern-Monokulturen allein sind, die auf großen Flächen absterben. Sondern betroffen ist inzwischen auch die Baumart, die natürlicherweise das Waldbild in Mitteleuropa prägen würde: Auch Buchen sterben inzwischen in größeren Parzellen ab.

Die Gründe dafür sind vielschichtig:

03.02.2020

Europäische Wälder: Ernsthaft in Gefahr

Am 4. und 5. Februar hält die Europäische Kommission eine internationale Konferenz zu ‚Wälder für Artenvielfalt und Klima‘ in Brüssel ab. Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen und Mitglied im Umweltausschuss, kommentiert:

„Unsere Wälder leiden sichtbar. Trockenheit, Borkenkäfer und Übernutzung hinterlassen deutliche Spuren. Es ist allerhöchste Zeit, dass wir in Europa unseren bisherigen Umgang mit unseren Wäldern überdenken. Fingerzeige auf Brasilien und andere Weltteile genügen nicht, wenn es darum geht, die grünen Lungen unserer Erde am Leben zu halten.
Die Europäische Kommission hat mit ihrem Green Deal ein mögliches Instrument ausgewählt, um den Zustand der Wälder längerfristig zu verbessern. Erste Vorstellungen der Forststrategie aber wecken Zweifel daran, dass die Vorhaben in die richtige Richtung gehen. Es steht zu befürchten, dass die Nutzung der Wälder intensiviert werden soll. Das geht in die falsche Richtung, stattdessen sollten mehr Waldflächen unter Schutz gestellt werden und die nachhaltige Nutzung von Wäldern priorisiert werden. Baumplantagen sind nicht zukunftsfähig.
Umweltschutzverbände jedenfalls sind wenig optimistisch, sie befürchten, dass die Biodiversitätsstrategie und die Waldstrategie sich gegenseitig ausspielen. Ihr Protest im Vorfeld der Waldkonferenz sollte ernst genommen werden.“

Weiterführende Informationen:

Protest zur internationalen Waldkonferenz in Brüssel (Robin Wood, EuroNatur, Agent Green):
4. Februar 2020 um 8:45 Uhr über dem Tunnel der Rue de la Loi, direkt westlich des Robert Schumann-Kreisverkehrs in Brüssel

Waldkonferenz „International Conference on Forests for Biodiversity and Climate“: https://ec.europa.eu/info/events/international-conference-forests-biodiversity-and-climate_de

Veranstaltung zur Abholzung in den Karpaten: https://martin-haeusling.eu/themen/eu-umweltpolitik/2471-europas-urwaelder-schuetzen-rodungen-in-den-karpaten-stoppen.html

Wald-Dossier von S. Börnecke: Vorabveröffentlichung des 1. Kapitel unter https://martin-haeusling.eu/presse-medien/publikationen/2288-wald-dossier-von-stephan-boernecke-vorabveroeffentlichung-des-1-kapitel.html

04.12.2019

Weltbodentag 2019: Je mehr Artenvielfalt im Boden, desto fitter für den Klimawandel!

Zum morgigen Weltbodentag 2019 erklärt Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen/EFA im Europäischen Parlament und Mitglied im Umweltausschuss:

„In Zeiten, wo Niederschläge ausbleiben und Ernteerträge einbrechen, ist nicht nur die Frage nach einer klimaverträglichen Landwirtschaft existenziell, sondern vor allem die Frage: Sind unsere Böden fit für den Klimawandel?
Unser aktuelles Agrarsystem überfrachtet Böden mit den falschen Nährstoffen und belastet das Bodenleben durch Monokulturen und Pestizide. Humusverlust und Verlust des Bodenlebens sind die Folge. Bei 45 Prozent der europäischen Böden liegt der Gehalt an organischer Substanz unter der Zwei-Prozent-Marke. Das EU-Forschungsprojekt SOILSERVICE, an dem elf europäische Universitäts- und Forschungsinstitute beteiligt waren, hat schon in seinem Bericht von 2012 eindeutig festgestellt, dass eine intensive Landwirtschaft zu einem Verlust der biologischen Vielfalt im Boden führt. Das bedeutet Bodenverdichtung und geringe Wasserspeicherfähigkeit.
Ein nachhaltiges Humusmanagement muss deutlich mehr in den Fokus der Europäischen Agrarpolitik.
Ökologische Bodenbewirtschaftungstechniken, wie hochwertige organische Düngung und weite Fruchtfolgen machen Böden widerstandsfähiger für Klimaextreme. Ökologisch bewirtschaftete Böden speichern beispielsweise deutlich mehr Wasser als Flächen konventioneller Betriebe und können daher Überschwemmungen und Dürren besser vorbeugen.
Die Artenvielfalt im Boden muss generell deutlich mehr ins öffentliche und politische Bewusstsein rücken:
‚Die Bodenbiologie spielt eine lebenswichtige Rolle für die Bodenfruchtbarkeit und hat erhebliche Auswirkungen auf die landwirtschaftlichen Erträge. Außerdem tragen sie zur Reinigung von Luft und Wasser bei. Müssten diese Funktionen synthetisch erfüllt werden, würde das jedes Jahr Billionen Euro kosten.‘, schrieb die EU Kommission schon 2010.
Diese Erkenntnis muss auch zu Konsequenzen in der Gestaltung der Europäischen Agrarpolitik führen. Daher muss die Kommission das Thema aufgreifen und mit in die Klimastrategie einarbeiten!“

Siehe auch:

Kommission Bodenschutz beim Umweltbundesamt (KBU) (2016): Böden als Wasserspeicher

Studie zur „Klimasmarten Landwirtschaft“

Studie zum Zustand der Böden in Europas Landwirtschaft

11.07.2019

STUDIE Vom Mythos der klimasmarten Landwirtschaft

181019 Titel Klima

Nominiert für den Salus Medienpreis 2019!

VomMythos der klimasmarten Landwirtschaft – oder warum weniger vom Schlechten nicht gut ist

--> Download der Studie

--> English Version available

 

Die Studie wurde am 19. Oktober 2018 in Berlin präsentiert.

Inhalt: In Zeiten, wo Niederschläge ausbleiben und Ernteerträge einbrechen, ist nicht nur die Frage nach einer klimaverträglichen Landwirtschaft sondern auch die nach einer Klimaanpassung der Landwirtschaft aktueller denn je. Die Studie "Vom Mythos der klimasmarten Landwirtschaft -  oder warum weniger vom Schlechten nicht gut ist" zeigt auf, warum das System der sogenannten „modernem“ Intensivlandwirtschaft eher Klimaschädlich als klimasmart ist und warum ein paar Korrekturen mittels Big Data, Präzisionslandwirtschaft und Leistungssteigerung per Hektar oder Kuh daran nicht viel ändern werden.

Wie Ackerbau und Tierhaltung wirklich „klimasmart“ gestaltet werden können, warum man dafür Rinder nicht verteufeln darf und wie man landwirtschaftliche Systeme „resilient“ macht, damit sie Extremwetterlagen möglichst lange  ausgleichen können, das zeigen Dr. Andrea Beste und Dr. Anita Idel in dieser Studie.

 

Studien-Autorinnen

Dr. Andrea Beste, Diplomgeografin und Agrarwissenschaftlerin. Co-Autorin des von BUND und Böll-Stiftung publizierten „Bodenatlas“.

Dr. Anita Idel, Mediatorin (MAB) und Tierärztin, Projektmanagement Tiergesundheit & Agrobiodiversität. Co-Autorin des Weltagrarberichtes.

20.03.2019

Agrarreform als Trauerspiel: Konservative blenden Klima- und Naturschutz komplett aus

Die konservative Mehrheit im Europäischen Parlament blockiert nach Kräften eine zeitgemäße, auf Klimawandel und Erhalt der Artenvielfalt fokussierte Agrarreform. Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen im Europäischen Parlament und Mitglied im Umwelt- und Gesundheitsausschuss, kommentiert den Abschluss der erfolglosen Gespräche der Fraktionen über die Vorschläge der EU-Kommission:

„Wir sind entsetzt, dass eine konservative Mehrheit im Parlament eine derart rückwärts gewandt Agrarpolitik zu betreiben versucht. Die Konservativen blenden die Notwendigkeiten, wie sie durch den Klimawandel und die schwindende Artenvielfalt unübersehbar gesetzt sind, völlig aus. Statt Zeichen zu setzen, um die akuten Umweltprobleme zu lösen, gilt für sie das Motto: Viel Geld für Landwirte, ohne nennenswerte Gegenleistung für die Gesellschaft erbringen zu müssen.
Eine solche Politik missbraucht Boden, Wasser und Natur für eine agrarindustrielle Produktion, die nur wenigen Großagrariern und Konzernen zugute kommt und die auf eine Billigerzeugung für den Weltmarkt abstellt.
Wer behauptet, wie in den Gesprächen geschehen, Landwirtschaft sei per se Klimaschutz, der muss sich vorwerfen lassen, weder von Landwirtschaft noch von Klimaschutz den Hauch eine Ahnung zu haben. Der noch im Kommissionsentwurf vorgesehene Anteil von 40 Prozent der Zahlungen, die an Klimaschutz gebunden sein sollten, wurde von den Konservativen sogar ersatzlos gestrichen.
Während wir Grüne verlangt haben, 50 Prozent der Ausgaben an die Einhaltung von Umweltleistungen („eco-schemes“) zu binden, haben die Konservativen diesen Anteil auf 20 Prozent gekappt. Und die sollen obendrein freiwillig sein, dass heißt, kein Landwirt muss diese Bindung akzeptieren.
Wer so Politik betreibt, blamiert sich, denn er fällt in alte Zeiten zurück und ignoriert die Herausforderung der heutigen Zeit. Es ist traurig, was wir hier in den Gesprächen erleben mussten.“

04.12.2018

Weltbodentag: Unsere Böden sind nicht fit für den Klimawandel!

Zum Weltbodentag 2018 erklärt Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen/EFA im Europäischen Parlament und Mitglied im Umweltausschuss:

„Unsere Böden in Europa sind nicht fit für den Klimawandel!
Sie leiden zum einen unter der Trockenheit, wie in diesem Jahr, zum anderen können sie bei Starkregen das Wasser nicht mehr aufnehmen. Die „Regenverdaulichkeit“ und Wasserspeicherfähigkeit sinkt. Ursachen dieser Funktionsstörungen liegen im Rückgang der biologischen Vielfalt im Boden, in Humusverlust, Erosion und Bodenverdichtung.
Das EU-Forschungsprojekt SOILSERVICE, an dem elf europäische Universitäts- und Forschungsinstitute beteiligt waren, hat schon in seinem Bericht von 2012 eindeutig festgestellt, dass eine intensive Landwirtschaft zu einem Verlust der biologischen Vielfalt im Boden führt. Enge Fruchtfolgen, intensive Düngung und ein hoher Pflanzenschutzmitteleinsatz sowie das Fehlen von organischem Material führen zu einer Verschlechterung der biologischen Vielfalt im Boden und zu Humusschwund. Darauf folgt Verdichtung und der Wasserhaushalt ist gestört!
Die Kommission Bodenschutz beim Umweltbundesamt (KBU) hat die Lösung in ihrem Papier „Böden als Wasserspeicher“ schon 2016 betont: Ökologisch bewirtschaftete Böden speichern deutlich mehr Wasser als Flächen konventioneller Betriebe und können daher Überschwemmungen und Dürren besser vorbeugen.“
Zitat: Hauptursache hierfür ist eindeutig die signifikant höhere biologische Aktivität ökologisch bewirtschafteter Böden und nicht allein deren Gehalt an organischer Bodensubstanz.
„In der konventionellen landwirtschaftlichen Praxis sind diese Erkenntnisse leider bisher noch nicht angekommen, teilweise werden diese Fakten sogar abgestritten. Doch es ist klar: Um dem Klimawandel zu begegnen, brauchen wir dringend weniger bodenschädigende Stickstoffdüngung, Monokulturen und Pestizide. Wir brauchen mehr agrarökologisches Bodenmanagement, welches die biologische Vielfalt in Böden fördert. So, wie es der Ökolandbau praktiziert und noch darüber hinaus.
Daher muss eine moderne Landwirtschaft die Bodenbiologie deutlich mehr in den Fokus einer nachhaltigen Bewirtschaftung rücken. Es geht nicht nur um die Artenvielfalt auf dem Acker, sondern auch darunter!“

Siehe auch neue Studie: Vom Mythos der klimasmarten Landwirtschaft – oder warum weniger vom Schlechten nicht gut ist
Sowie Bodenstudie von 2015: Down To Earth - Der Boden, von dem wir leben: Zum Zustand der Böden in Europas Landwirtschaft

 

09.10.2018

Übles Spiel zum Klimabericht im Agrarausschuss!

Die Abstimmung über die Stellungnahme des Agrarausschusses zum EU-LIFE-Programm zur Klimapolitik, kommentiert der agrarpolitische Sprecher der Grünen/EFA im Europaparlament, Martin Häusling:

„Man wird den Eindruck nicht los, dass die klimaskeptischen Kräfte der Konservativen und Liberalen den Leugner des Klimawandels, John Stuart Agnew, von der europafeindlichen UKIP, vorgeschickt haben, um die Stellungnahme des Agrarausschusses zum von ihnen ungeliebten Klima- und Umweltprogramm LIFE, vor die Wand fahren zu lassen.
So hat die Entscheidung der Konservativen und Liberalen, diesen Berichterstatter zu wählen, den Klimaskeptikern letztendlich das Ruder überlassen. Diese rückwärtsgewandten Allianzen haben verhindert, dass der unsägliche Entwurf von Herrn Agnew im Agrarausschuss noch zu einem für uns Grüne akzeptablen Bericht gedreht werden konnte.
Besonders vor dem Hintergrund des gerade erschienenen Berichts des Weltklimarates (IPCC), der klar sagt, dass Eile und konsequentes Handeln geboten sind, muss man sich als Mitglied des Agrarausschusses fremdschämen ob solcher U-Boot-Strategien.“

Siehe auch Pressemitteilung vom 26.09.2018:
Dinos würden rot werden - Klimaskeptiker als Berichterstatter zur EU-Klimapolitik

21.09.2018

Heiß, heißer, Klima – jetzt zusammen anpacken! Grüne Klimakonferenz in Frankfurt/M.

Grüne Klimakonferenz im Vorfeld des Weltklimagipfels in KatowiceEinladung pic

Freitag, 21. September 2018, ab 9:30 Uhr
Evangelische Akademie Frankfurt, Römerberg 9, 60311 Frankfurt am Main

EINLADUNGund PROGRAMM

Anmeldung: http://gruenlink.de/1gxh
Event auf Facebook verbreiten: https://www.facebook.com/events/928676737336517/

30.08.2018

Klimaskeptiker als Berichterstatter: Dinosaurier würden erröten!

Anlässlich der Aussprache zur Stellungnahme des Agrarausschusses zum EU-LIFE-Programm zur Klimapolitik, reagiert der agrarpolitische Sprecher der Grünen/EFA des Parlaments, Martin Häusling, empört:

„Wie kann es passieren, dass die Vergabe der Stellungnahme des Agrarausschusses zur Klimapolitik mit John Stuart Agnew (UKIP) an einen Abgeordneten ging, dessen faktenfreie Ausfassung zum Klimawandel allseits bekannt ist? Möglich gemacht haben das Albert Dess (CSU/EVP) und Ulrike Müller (FWG/ALDE), also die Agrarkoordinatoren der Konservativen und Liberalen in einer unheiligen Allianz.
Wer dies erstaunlich findet, muss sich allerdings nur Äußerungen von Albert Dess ansehen. Wiederholt ist auch er in Debatten als Klimaskeptiker aufgetreten und spricht Klimawissenschaftlern auf seiner Homepage öffentlich ihre Kompetenz ab.

Zitat Albert Dess 2015:
„Mehr oder weniger seriöse Wissenschaftler warten tagtäglich mit neuen Hiobsbotschaften auf und versuchen, die Menschen zu verunsichern und ihnen Angst zu machen mit den angeblichen Folgen einer globalen Erwärmung.“[1]

„Dass nun ein Klimaleugner den Bericht für den Agrarausschuss bearbeitet und behauptet, der Klimawandel ginge auf `Sonnenflecken und die gravitative Anziehungskraft der Planeten´ zurück, ist ein Skandal. Solchen trumpschen Anwandlungen widersprechen wir Grüne im Europaparlament aufs schärfste! Klimaskeptiker dürfen nicht über die Finanzierung und Ausstattung von Klimaprogrammen entscheiden.“, so Häusling.

Dave Reay, Professor für Kohlenstoffmanagement an der Universität von Edinburgh, hat sich gegenüber dem Guardian zum Berichtsentwurf von Herrn Agnew wie folgt geäußert: "Es ist passend, dass dieses lächerliche Dokument paläoklimatische Informationen gegen den vom Menschen verursachten Klimawandel missbraucht - diese abgedroschenen, pseudowissenschaftlichen Argumente lassen Dinosaurier erröten."
Siehe auch Guardian vom 29.08.2018:
https://www.theguardian.com/environment/2018/aug/29/ukip-mep-sparks-outrage-with-report-denying-human-role-in-climate-change

 

[1] https://kurzlink.de/VEaTxgco4

Weitere Informationen:
Die Grünen/EFA im Europäischen Parlament - Martin Häusling
Tel. +32-2-284-5820, Fax +32-2-284-9820 Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

16.08.2018

Zur Dürre in der Landwirtschaft: Einen Soli für die Milchbauern

Mit einem Solidaritätszuschlag auf den Liter Milch kann den von der katastrophalen Dürre besonders betroffenen Milchbauern sofort geholfen werden, plädiert Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Fraktion Die Grünen/EFA im Europaparlament und Mitglied des Umweltausschusses. Der Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) wirft Häusling vor, dem Volk Sand in die Augen zu streuen:

„Wer in diesen Tagen übers Land fährt, sieht die akute Not der Bauern. Doch nicht jeder ist betroffen und deshalb muss jede Hilfe sich an den tatsächlichen Regenmengen orientieren. Die besonders betroffenen Grünlandregionen brauchen Soforthilfe, um in anderen Regionen Heu oder Silage einkaufen zu können. Doch statt mit der Gießkanne Geld auf die Höfe zu verteilen und ökologische Vorrangflächen freizugeben, könnte ein Soli für die Milch tatsächlich prompte Hilfe für die vor allem unter der Futterknappheit leidenden Milchbauern leisten. Statt willkürlich Preise zu senken, muss der Handel aktiv bei der Bewältigung der Krise helfen. Zehn Cent Soli auf den Liter als Akut-Hilfe scheinen mir angemessen, denn die Bürger haben längst die Notlage verstanden.

Doch was tut Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU)?
Sie streut dem Volk Sand in die Augen, denn das, was auf den Vorrangflächen wächst, die sie freigeben will, ist oft schwer verdaulich und deshalb nicht nutzbar. Oder es muss erst noch gesät werden, kann aber mangels Regen nicht keimen.


Langfristig muss bei der künftigen Förderung durch die EU der klimafreundliche Betrieb im Vordergrund stehen. Es kann nicht sein, dass Landwirte, die zum Beispiel ihre Kühe auf Basis von Übersee-Soja und Getreide füttern, auch in Zukunft mit öffentlichen Geldern gefördert werden. Diese Art der Fütterung ist extrem klimawirksam und geht obendrein noch nicht einmal in die deutsche Klimabilanz ein.
Das gleiche gilt für jene intensiv arbeitenden Fleischerzeuger, die, ohne eigene Flächen zu besitzen, mit ihrer Art der Fütterung dazu beitragen, dass Deutschland Schweine-Export-Weltmeister geworden ist. Denn der konventionelle Getreideanbau benötigt viel mineralischen Stickstoffdünger, der unter hohen Energieeinsatz hergestellt wird. Der Klimaeffekt der Düngerherstellung aber wird dem Industriesektor und nicht der Landwirtschaft zugerechnet. Die mit Export-Futter erzeugte Gülle kommt auf die Äcker und verschlechtert die hiesige Klimabilanz. Wer richtig rechnet, merkt rasch, dass der Anteil der Landwirtschaft an den Treibhausgasen hierzulande nicht bei 14 oder 18 Prozent liegt, sondern bei eher 30 Prozent. Die Landwirtschaft muss sich am Klimaschutz beteiligen.

Aus meiner Sicht zeigt die aktuelle Lage mehr als deutlich, dass wir verpflichtet sind, unsere Landwirtschaft auf klimataugliche Verfahrensweisen umzustellen. Dazu gehört, dass wir gezielt die Weidehaltung unterstützen. Denn Grünland, ob als Weide oder Wiese, speichert den Kohlenstoff aus der Luft. Dort wird Humus aufgebaut, CO2 gesammelt und im Boden gebunden. Diese Wirtschaftsform ist damit klimaneutral. Es ist ein Irrtum zu glauben, dass Kühe aufgrund ihrer Methan-Rülpser den Temperaturanstieg beschleunigen. Es kommt vielmehr ganz auf die Fütterung an: Wer auf Soja und Getreide verzichtet und sein Vieh auf die Weide stellt, der handelt klimafreundlich. Zumal eines feststeht: Mehr als die Hälfte der weltweiten Agrarflächen sind Grünland. Und Gras kann man nicht essen.“

13.09.2017

Abstimmung des Europäischen Parlaments zu LULUCF: Landnutzung in der Pflicht beim Klimaschutz

Das Europäische Parlament hat heute über die Einbeziehung von Treibhausgasen aus Land-und Forstwirtschaft in die europäische Klimapolitik abgestimmt: Uneinigkeit herrschte bis zuletzt darüber, wie genau die Klimawirkungen der Forstwirtschaft erfasst werden sollen; der EP-Beschluss stimmt darin nicht mit der Position der Grünen überein[1]. Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen und Mitglied im Umweltausschuss des Europäischen Parlaments kommentiert:

"Klimaschutz geht uns alle an, alle Produktionszweige müssen dazu beitragen, klimaschädigende Gase zu vermeiden bzw. zu verringern. Von daher ist es richtig, dass mit dem heute abgestimmten Verordnungsentwurf auch die Treibhausgasemissionen aus Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft (LULUCF) in die Europäische Klima- und Energiepolitik einbezogen werden. Die Landwirtschaft ist für etwa 10% aller in der EU ausgestoßenen Klimagase verantwortlich. Nur wenn die Emissionen, die durch Landnutzung entstehen erfasst und in der Folge reduziert werden, ist es möglich, unseren Teil des Pariser Klimaabkommens zu erfüllen.
Die Art der Landnutzung entscheidet darüber, ob das Klima geschädigt oder geschützt wird: mit der richtigen Grasland- und ökologischen Landbewirtschaftung kann Kohlenstoff im Boden gespeichert werden, statt in die Atmosphäre abgegeben zu werden. Die zukünftige Marschrichtung sollte also klar sein: mehr Unterstützung für ökologische und klimaschonend arbeitende land- und forstwirtschaftliche Betriebe. Auch Moore müssen aufgrund ihrer besonderen Bedeutung als CO2-Speicher geschützt und erhalten werden."

Weitere Informationen:
Redebeitrag von Martin Häusling in der Debatte im Europäischen Parlament
Briefing und Hintergrundpapier zu Landwirtschaft und Klimawandel (LULUCF) 

[1] Die Mehrheit des Europäischen Parlaments sprach sich - entgegen der Meinung der Grünen - dafür aus, dass nicht explizit eine Reduzierung der Holzschlag-Intensität in die Verordnung aufgenommen wird. Im Kern geht es darum, dass nachhaltige Forstwirtschaft einen höheren Beitrag zur CO2-Speicherung leistet als Baumplantagen, die z.B. für die Papierindustrie genutzt werden.

30.03.2017

Klimaschutz: Briefing und Hintergrundpapier zu Landwirtschaft und Klimawandel (LULUCF)

serveimageParis verpflichtet: Im Juli 2016 hatte die EU-Kommission Vorschläge unterbreitet, bisher nicht beteiligte Sektoren wie die Land- und Forstwirtschaft in die CO2-Minderungsziele einzubeziehen. Wir setzen uns auf europäischer Ebene dafür ein, dass der sogenannte LULUCF-Sektor (Landnutzung, Landnutzungsänderungen und der Forstwirtschaft) nicht als Verrechnungsstelle missbraucht wird, um Emmissions-Minderungsziele zu schwächen. Die Land- und Forstwirtschaft hat durchaus Klimaschutz-Potential, ist als Emittent aber zugleich verpflichtet, Sektoren-eigene Einsparziele zu erbringen.

Als Schattenberichterstatter meiner Fraktion setze ich mich im Agrarausschuss in den derzeitigen LULUCF-Beratungen vor allem gegen Flexibilisierungsmechanismen ein, mit denen sich andere Sektoren mittels Maßnahmen in der Land- und Forstwirtschaft freikaufen können.
Briefing zum parlamentarischen Bericht

Die Entscheidung über konkrete Maßnahmen im Bereich Land- und Forstwirtschaft überlässt die Kommission in ihrem Vorschlag den Mitgliedsländern. Dazu habe ich dieses Hintergrundpapierverfasst.

15.03.2017

LULUCF: Opfer oder Täter? Welchen Beitrag leistet die Landwirtschaft zur Einsparung von CO2-Emissionen?

170316 co2Paris verpflichtet: Im Juli 2016 hatte die EU-Kommission Vorschläge unterbreitet, bisher nicht am Emissionshandel beteiligte Bereiche, wie den LULUCF-Sektor (Landnutzung, Landnutzungsänderungen und Forstwirtschaft) in die CO2-Minderungsziele einzubeziehen. Die Land- und Forstwirtschaft hat durchaus Klimaschutz-Potential, ist als Emittent aber zugleich verpflichtet, Sektoren-eigene Einsparziele zu erbringen.
Als Schattenberichterstatter meiner Fraktion setze ich mich im Agrarausschuss dafür ein, dass der LULUCF-Sektor nicht durch Flexibilisierungsmechanismen als Verrechnungsstelle missbraucht wird, um Emissions-Minderungsziele in anderen Bereichen schönzurechnen und zu schwächen. Die Entscheidung über konkrete Maßnahmen überlässt die Kommission in ihrem Vorschlag den Mitgliedsländern. Dazu habe ich ein Hintergrundpapier verfasst.
mehr Informationen:
•    Briefing zu den parl. LULUCF-Beratungen im Europäischen Parlament, März 2017 (folgt)
•    Hintergrundpapier zu „Klimawandel und Landwirtschaft (LULUCF)“, März 2017
•   Klimaschutz-Gutachten des Wiss. Beirates des BMEL, November 2017