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Jagd

03.12.2020

Diskussionspapier Jagd: Überhöhte Wildbestände - Was muss sich wirklich ändern?

Titel Jagd Angesichts der Auswirkungen des Klimas auf den Wald wird auch dem Thema Jagd aktuell mehr Aufmerksamkeit gewidmet: So wird nicht nur eine Novelle des Bundesjagdgesetz vorbereitet, sondern auch der besorgniserregende Zustand des Waldes ist in den Fokus gerückt und zeigt den enormen Handlungsbedarf dort.
Das Diskussionspapierhabe ich in Auftrag gegeben, um eine breite Diskussion zur bisherigen Situation im Wald, an der sich seit Jahrzehnten nichts geändert hat, zu unterstützen.


05.11.2020

Klöckners Jagdnovelle: Der klimagestresste Wald bleibt schutzlos

Die von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) vorgelegte Novelle des Bundesjagdgesetzes bleibt ein unzureichendes Konstrukt, das im Gegensatz zu den Ankündigungen der Ministerin fern von einer „großen Reform“ ist, kommentiert Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen im Europäischen Parlament und Mitglied im Umweltausschuss des EP:

„Alles ist möglich, also bleibt fast alles beim Alten. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) vermag es selbst im Angesicht des durch den Klimawandel ausgelösten Waldsterbens nicht, konsequente Schritte durchzusetzen, um eine natürliche und artenreiche Verjüngung der gestressten Wälder zu forcieren. Dazu müssen die Bestände an Rehwild und an Rothirschen in vielen Bereichen reduziert werden. Das aber ist mit dem im Bundeskabinett vorgelegten Entwurf für ein neues Jagdrecht nur bedingt möglich. Offenbar hat sich die Jagdlobby erfolgreich durchgesetzt, um die Wildbestände hochzuhalten.
Es bleibt zwar bei dem bereits im Sommer angekündigten Mindestabschuss für Rehwild, um dem natürlichen Waldaufwuchs eine Chance zu geben und „eine Naturverjüngung des Waldes im Wesentlichen ohne Schutzmaßnahmen“ zu ermöglichen, was im Prinzip eine richtige Vorgabe ist. Aber nun fügt die Novelle Obergrenzen und einen zahlenmäßigen „Korridor“ ein, innerhalb dessen die Bestände reguliert werden dürfen. Damit aber ist klar: Da im Regelfall der Wildbestand stets zu klein gerechnet wird, bleibt es auch künftig bei hohen Wildbeständen und waldschädigenden Verbiss- und Schälschäden. Sie aber verhindern den gerade im Klimawandel nötigen artenreichen Wald.
Daran werden nur im optimalen Fall die angekündigten Vegetationsgutachten oder die völlig unbestimmte „Möglichkeit“ noch ein „Lebensraumgutachten“ hinzuzuziehen, etwas ändern können. Wer erstellt diese Gutachten? Wer gibt sie in Auftrag? Und vor allem: Was sind die Kriterien, an denen sich ein Gutachter orientieren soll? Zu erwarten steht, dass lediglich Verbiss und Schälung der bekannten Hauptbaumarten, also an Fichte, Kiefer, Buche und Eiche, Grundlage sein werden. Das aber kann keinesfalls ausreichend sein. Basis muss die gesamte natürlicherweise zu erwartende Vegetation sein. Obendrein ist alles auf Freiwilligkeit ausgerichtet, die Rolle der oft wenig sachverständigen Grundstückseigner bleibt schwach, und die Rolle der Behörden steht soweit am Ende des Prozesses, dass sie wohl erst eingreifen können, wenn alles eklatant aus dem Ruder gelaufen ist.
Überdies orientiert sich das Klöckner-Papier allein am Reh- und – wegen der Afrikanischen Schweinepest - am Schwarzwild. Die örtlich ungleich größeren Probleme im Wald und auf umliegenden Feldern aber bereitet das Rotwild. Diese Wildtierart aber wird wegen der Trophäe gehätschelt und stellt besondere Lebensraumansprüche, die hierzulande kaum noch erfüllt werden können. Zu diesem mit viel Tradition und Ideologie versehenem Kapitel schweigt die Ministerin, dabei ist gerade an diesem Punkt die Antiquiertheit des deutschen Jagdrechts offenkundig. Daran will sich Klöckner nicht die Finger verbrennen. Sie bleibt, wie so oft, hinter ihren blumigen Worten mutlos.“

 

03.09.2020

Bleimunition: Endlich Verbot in Feuchtgebieten!

Bleimunition in Feuchtgebieten wird in zwei Jahren verboten sein. Die überwiegende Mehrheit der EU-Länder hat sich soeben darauf geeinigt. Vorausgegangen waren jahrelange Verhandlungen und Blockade von Seiten der deutschen Bundesregierung. In einer Petition von Martin Häusling und Sven Giegold hatten binnen 72 Stunden fast 25.000 Bürgerinnen und Bürger Ministerin Klöckner aufgefordert für ein Verbot von Bleimunition zu stimmen.

Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen im Europäischen Parlament und Mitglied im Umweltausschuss:
„Geschafft! Der öffentliche Druck wurde wohl zu groß, Landwirtschaftsministerin Klöckner ließ heute Deutschland für das Verbot stimmen. Wenn nicht, hätte sie sich völlig unglaubwürdig gemacht, die Argumente liegen klar auf der Hand: Bleimunition ist giftig, jedes Jahr landen 20 000 Tonnen Blei in der Umwelt und vergiften Vögel, Boden und Menschen. Das Verbot in Feuchtgebieten kann nur ein erster Schritt sein, wir brauchen jetzt schnellstmöglich ein Totalverbot! Schließlich machen Feuchtgebiete nur zwei Prozent aller Jagdgebiete in der EU aus.“

Sven Giegold, Sprecher von Bündnis90/Die Grünen im Europaparlament und Mitglied im Umweltausschuss des Europäischen Parlaments:
„Unsere Eil-Petition hat gewirkt! In nur drei Tagen haben mehr als 25.000 Bürgerinnen und Bürger unterschrieben und sich klar gegen Bleimunition positioniert. Dieser öffentliche Druck war wichtig, Deutschland war bei der heutigen Abstimmung das Zünglein an der Waage. Im Juli noch hatte Landwirtschaftsministerin Klöckner die Abstimmung platzen lassen, weil sie eine Verlängerung der Auslaufzeit bleihaltiger Munition erzwingen wollte. Dass heute der Anfang vom Ende der Bleimunition eingeleitet wurde, ist ein großer Erfolg für die Tiere, unsere Gesundheit und nicht zuletzt die Zivilgesellschaft. Wir bleiben dran. Denn giftiges Blei muss nun überall aus der Jagdmunition verschwinden.“

Mehr Informationen:
Link zur Eil-Petition: www.change.org/bleimunition 
Pressemitteilung von Martin Häusling vom 27.08.20: Bleimunition: Abstimmung über Verbot

 

27.08.2020

Bleimunition: Abstimmung über Verbot

Wird der Verwendung von Bleimunition wenigstens bei der Jagd über und im direkten Umkreis von Gewässern und anderen Feuchtgebieten ein Riegel vorgeschoben? Die auf Drängen von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner verschobene Abstimmung im REACH-Ausschuss steht nun kommende Woche auf der Tagesordnung. Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen und Mitglied im Umweltausschuss des Europäischen Parlaments, kommentiert:

„Wir brauchen das Bleiverbot. Schnellstmöglich. Jedes Jahr verenden eine Million Vögel an den Folgen dieser verschossenen, für Tier und Mensch giftigen Munition. Fahrlässig verzögerten Deutschland und auch Tschechien mit einer Hinhaltetaktik im Juli das Verbot der Bleimunition, dabei soll es ohnehin nur für Feuchtgebiete gelten, stellt also einen denkbar kleinen Schritt dar.

Der angepasste Verordnungsvorschlag der Europäischen Kommission versucht es nun wirklich allen recht zu machen: Länder mit mehr als zwanzig Prozent Feuchtgebieten haben ein Jahr länger Zeit, nämlich drei Jahre, als die anderen Länder, um auf bleifreie Munition umzustellen. Statt der ursprünglichen 300 Meter Pufferzone um die Feuchtgebiete soll es nun nur noch 100 geben.

Trotzdem gehen die Jäger auf die Barrikaden und setzen sich vehement für einen Rückzug des Verordnungsvorschlags ein. Ein Schelm wer Böses dabei denkt und dahinter auch ein Ablenkungsmanöver sieht: Die Jagd auf Vögel, ob Waldschnepfen, Rebhühner und v.a. Wasservögel ist unverständlicherweise noch immer nicht in der EU verboten. Noch immer gibt es 82 Vogelarten, die in der EU geschossen werden dürfen. Jeden Herbst aufs Neue werden Millionen von Zugvögeln getötet, viele verenden elendig.

Die Abstimmung über die Verwendung von Bleimunition in Feuchtgebieten am 3. September darf nur ein erster Schritt sein. Auch wenn das Verbot überfällig ist, so reicht es doch bei weitem nicht aus. Ein Komplett-Verbot bleihaltiger Munition muss schnellstmöglich folgen - und auch ein weitestgehendes Verbot der Jagd auf Vögel.“

 

Weitere Infos:

Link Verordnungsvorschlag Bleimunition

Abstimmung im REACH-Ausschuss zu Bleimunition am 03.09.2020

Frühere Pressemitteilungen von Martin Häusling zum Verbot von Bleimunition in Feuchtgebieten:

www.martin-haeusling.eu/presse-medien/pressemitteilungen/2553-gekipptes-verbot-von-bleimunition-kloeckner-uebt-schon-wieder-den-kniefall-vor-der-lobby.html

www.martin-haeusling.eu/presse-medien/pressemitteilungen/2561-aus-fuer-bleimunition-kloeckners-erzwungene-aufgabe.html