Grüne Europagruppe Grüne EFA

Antibiotika

27.10.2020

Studie zu Antibiotika-Resistenzen: Schluss mit der routinemäßigen Verwendung von Antibiotika in der Tierhaltung

Eine heute von Germanwatch veröffentlichte, alarmierende Studie zeigt: Jedes zweite Hähnchen aus Großschlachtereien ist mit Antibiotika-resistenten Erregern belastet. „Das gefährdet unsere Gesundheit“, kommentiert Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen im Europäischen Parlament und Mitglied im Umwelt- und Gesundheitsausschuss die beunruhigenden Ergebnisse:

„Antibiotika-Resistenzen sind weltweit auf dem Vormarsch. Allein in der EU sterben jedes Jahr 33.000 Menschen, weil Antibiotika bei ihnen nicht mehr wirken. In Deutschland sind es 2400 Menschen, die in diesem Zusammenhang unnötigerweise sterben. Das Problem ist seit Jahren bekannt, die bisherigen Anstrengungen Antibiotika-Resistenzen zu reduzieren, reichen nicht aus.

Vor zwei Jahren haben wir mit der Verabschiedung der EU-Tierarzneimittel-Verordnung eine verbindliche Vorlage geschaffen, die die Verwendung von Antibiotika bei Lebensmittel erzeugenden Tieren streng reglementieren sollte. Ich war der verantwortliche grüne Verhandlungsführer und sah es als großen Erfolg an, dass Reserve-Antibiotika von 2022 eigentlich nur noch für Anwendungen am Menschen benutzt werden dürfen. Denn Reserve-Antibiotika, die auch als Notfall-Antibiotika bezeichnet werden, können im Zweifel die letzte Arznei sein, die bei der Behandlung einer bakteriellen Infektion noch wirkt. Wer sie weiter in der Tiermast einsetzt, handelt extrem fahrlässig, denn er gefährdet damit auch unsere Gesundheit.

Inzwischen wird klar, dass die beabsichtigte klare Begrenzung der Anwendung offenbar von der Europäischen Kommission unterlaufen wird. Die Kommission hält sich offensichtlich bei der Ausarbeitung der Liste, die die Reserve-Antibiotika im Einzelnen genau bezeichnet, nicht an das Verhandlungsergebnis. So verhandelt sie aktuell mit den Mitgliedsstaaten über einen Entwurf, nach dem auch Reserve-Antibiotika Tieren weiter verabreicht werden können, wenn es dem Tierwohl dient. 

Das ist skandalös und hintertreibt unsere Absichten zur künftigen Tierarzneimittel-Verordnung. Dazu darf es nicht kommen.

Letztlich kaschieren die routinemäßige Gabe von Antibiotika an Tiere nur ungeeignete Haltungssysteme. Der Fall zeigt wieder einmal, wie dringend wir einen Systemwechsel in der Zucht und Haltung von Lebensmittel liefernden Tieren brauchen.  Reserve-Antibiotika müssen den Menschen vorbehalten bleiben. Ihre Festlegung sollte nach den strengen WHO-Regeln erfolgen.“

 

Weitere Hintergrundinformationen zu den Regelungen zur Antibiotikaverwendung in der Tierhaltung

Pressemitteilung vom 25.10.2018: Kampfansage an Antibiotikaresistenzen – EU-Parlament hat Trilog-Ergebnisse angenommen

 

25.10.2018

Antibiotika/Tierhaltung - Kampfansage an Antibiotikaresistenzen

Reserveantibiotika sollen künftig den Menschen vorbehalten bleiben. Auch der prophylaktische Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung wird in der Zukunft nur noch in absoluten Ausnahmefällen möglich sein, die Mehrheit des Abgeordneten des Europäischen Parlaments hat die Ergebnisse der Verhandlungen mit dem Rat und der Europäischen Kommission („Trilog“) angenommen. Ziel ist, die Antibiotikaresistenz in der Tierhaltung einzudämmen.
Martin Häusling, Schattenberichterstatter der Grünen/EFA-Fraktion für die neuen EU-Gesetze zu Tierarzneimitteln, kommentiert:

„Antibiotikaresistenzen sind eine der drängendsten globalen Gefahren. Bislang werden doppelt so viele Antibiotika in der Tiermast wie in der Humanmedizin eingesetzt. Es ist ein großer Erfolg, dass Reserveantibiotika künftig den Menschen vorbehalten bleiben sollen. Bessere Haltungsbedingungen und die Separierung kranker Tiere helfen, den Antibiotikaeinsatz runterzufahren. Jetzt geht es darum, dass die neuen Vorschriften auch umgesetzt werden. Umfassendes Datenmaterial zum Verkauf und zur Verwendung von Antibiotika sind ein wichtiges Instrument im Kampf gegen den übermäßigen Antibiotika-Einsatz. Wir Grünen/EFA konnten durchsetzen, dass die neue Verordnung die Datenerhebung zur Verwendung antimikrobieller Arzneimittel auf jedem Bauernhof in der Europäischen Union vorschreibt.“

Hintergrundinformationen im Briefing zur neuen Tierarzneimittel-Verordnung

14.06.2018

EU-Tierarzneimittelverordnung ab Herbst 2018 in Kraft

Am 5.6. haben sich das Europäische Parlament, der Europäische Rat und die Europäische Kommission im Rahmen der sogenannten Trilog-Verhandlungen auf die neue EU-Tierarzneimittelverordnung geeinigt, an denen ich als grüner Verhandlungsführer für das Europäische Parlament beteiligt war. Diese Verordnung wird ab Herbst 2018 in Kraft treten und eine bisherige EU-Richtlinie ersetzen.

06.06.2018

Trilog Tierarzneimittel abgeschlossen: Antibiotika für Tiere strenger geregelt

Gestern Nacht wurden die Trilog-Verhandlungen über die neue EU-Verordnung zu Tierarzneimittel abgeschlossen. Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen und Mitglied im Umweltausschuss war der zuständige grüne Verhandlungspartner für die neuen Regelungen. Er kommentiert:

„Antibiotikaresistenzen sind eine der drängendsten globalen Gefahren. Dabei spielt der falsche und häufige Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung eine große Rolle. Mit der neuen Verordnung für Tierarzneimittel haben wir jetzt ein Rechtsmittel an der Hand, die Verwendung von Antibiotika zu beschränken. Es ist ein großer Erfolg, dass Reserveantibiotika künftig den Menschen vorbehalten sein sollen. Auch der prophylaktische Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung wird in der Zukunft nur noch in absoluten Ausnahmefällen möglich sein.
Umfassendes Datenmaterial zum Verkauf und zur Verwendung von Antibiotika sind ein wichtiges Instrument im Kampf gegen den übermäßigen Antibiotika-Einsatz. Nur so können wir gezielt ansetzen. Uns Grünen ist es gelungen, dass die neue Verordnung die Datenerhebung zur Verwendung von antimikrobiellen Arzneimitteln per Bauernhof vorschreibt.
Wenig erfreut bin ich davon, dass sich die Mehrheit der Verhandlungspartner nicht darauf eingelassen hat, die Umweltauswirkungen der Arzneimittel und ihrer Herstellung zu reglementieren. So haben wir die Chance verpasst, Wasserverschmutzung oder die Freisetzung gefährlicher Substanzen einzudämmen“.


Weitere Infos folgen in einem Briefing in den nächsten Tagen.

Hintergrundinfos:

Briefing zum EU-Tierarzneimittelpaket

2. Briefing zum EU-Tierarzneimittelpaket

3. Briefing vom 14.06.2018: EU-Tierarzneimittelverordnung aus grüner Sicht

Studie: https://www.martin-haeusling.eu/images/BroschuereAntibiotika_Neu2015_WEB.pdf

22.02.2018

Ekelfleisch aus Übersee: EU-Kommission muss Konsequenzen aus US-Fleischskandal ziehen

Vor dem Hintergrund von Enthüllungen über katastrophale Zustände in der US-amerikanischen Fleischindustrie verlangt Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Fraktion Die Grünen/EFA im Europaparlament und Mitglied im EU-Umweltausschuss, Konsequenzen für den Import von Fleisch aus den USA in die EU:

„Es sind ekelhafte Zustände in der US-amerikanischen Fleischerzeugung, über die die britische Tageszeitung The Guardian aus bislang unveröffentlichten US-amerikanischen Regierungsdokumenten heute berichtet. Offenbar tragen Schlampereien, sorgloser Umgang mit kranken Tieren, mangelhafte Hygiene und eine Verseuchung mit Fäkalien in der Fleischproduktion dazu bei, dass jeder siebte US-Amerikaner jedes Jahr an einer Lebensmittelinfektion erkrankt. Das ist erheblich mehr als bei uns in Europa und nicht hinnehmbar.
Das kommt dabei heraus, wenn man den Verbraucherschutz nicht ernst nimmt und die Landwirtschaft bis in den letzten Winkel industrialisiert.
Da nicht ausgeschlossen ist, dass derart produziertes Fleisch aus den USA auch nach Europa gelangt, erhebt sich die Frage, welche Konsequenzen die EU nun unternimmt. Besorgniserregend ist vor allem der Umstand, dass diese unhaltbaren Zustände offenbar schon Jahre anhalten und unter Umständen auch den EU-Behörden wenigstens ansatzweise bekannt sein müssten.
Aus meiner Sicht muss die Kommission jetzt ernsthaft über Import-Beschränkungen für Schweine-, Hühner- und Rindfleisch aus den USA nachdenken.
Wenn sich bestätigt, dass die Zustände schon länger bestehen, muss die Kommission in jedem Fall umfassender reagieren, als beim brasilianischen Gammelfleischskandal. Damals verhängte die EU nur für einzelne Betriebe einen Importstopp. Die EU muss die Verbraucher vor Ekelfleisch aus Übersee wirksam schützen!“

13.05.2015

Wider jede Vernunft - Auswirkungen des Antibiotika-Verbrauchs in der Tierhaltung

pig 11245 1280Einladung

Wider jede Vernunft - Auswirkungen des Antibiotika-Verbrauchs in der Tierhaltung

Podiumsdebatte mit anschließender Publikumsdiskussion und Vorstellung der Studie „Masse statt Klasse – Eine Haltung, die krank macht“

Mittwoch, 13. Mai 2015, 18.00 bis 21.00 Uhr
Heinrich-Böll-Stiftung, Schumannstraße 8, 10117 Berlin

13.05.2015

Mitschnitt der Veranstaltung zur Studienvorstellung "Masse statt Klasse"

150513 VA HBS Antibiotika 2Wider jede Vernunft - Auswirkungen des Antibiotika-Verbrauchs in der Tierhaltung

Podiumsdebatte mit anschließender Publikumsdiskussion und Vorstellung der Studie „Masse statt Klasse – Eine Haltung, die krank macht“

Mittwoch, 13. Mai 2015, 18.00 bis 21.00 Uhr
Heinrich-Böll-Stiftung, Schumannstraße 8, 10117 Berlin

Studie zum Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung, 2015
Birkel K. 2013: Masse statt Klasse. Eine Haltung, die krank macht. Über den Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung und die Zunahme von resistenten Bakterien.
Aktualisierte Auflage 2015
http://www.martin-haeusling.eu/images/BroschuereAntibiotika_Neu2015_WEB.pdf

 

Studie zum Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung, 2013
Birkel K. 2013: Masse statt Klasse. Eine Haltung, die krank macht. Über den Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung und die Zunahme von resistenten Bakterien.
http://www.martin-haeusling.eu/images/publikationen/130622_BroschuereAntibiotika_END.pdf

Diese Studie entstand anlässlich des Berichtes des Europäischen Parlaments zum Kampf gegen Antibiotikaresistenzen für den Martin Häusling Berichterstatter einer Stellungnahme (Opinion) im COMAGRI war.

12.03.2015

Bessere Berücksichtigung von Umweltrisiken im europäischen Tierarzneimittelrecht gefordert

Bericht von der Veranstaltung des Umweltbundesamtes in der NRW-Landesvertretung am 04.03.2015
Am 04.03.2015 fand in der NRW-Landesvertretung eine Veranstaltung des Um-weltbundesamtes und der Finnish Safety and Chemicals Agency zu Umweltrisiken von Tier-arzneimitteln statt. Damit wurde die Diskussion über die verstärkte Integration von Umweltas-pekten in die neue EU-Tierarzneimittel-Verordnung eröffnet.

150304 Umweltrisiken im Bereich Tierarzneimittel 8x

Von links nach rechts:
Mathilde Harvey (Rapporteur for European procedures, French National Agency for Veterinary Medecinal Products (Anses - ANMV); Thomas Heberer (BVL); Prof. Thomas Backhaus (University of Gothenburg); Martin Häusling (MdEP); Helen Clayton (EU Commission, Directorate-General for the Environment); Ariane van der Stappen (European Commission, Directorate-General for Health and Consumers); Dr. Wolfgang Seidel (UBA/German Environment Agency)

Kompletter Bericht(entnommen aus dem EU-Wochenbericht der NRW-Landesvertretung)

Präsentation von Martin Häusling: Umwelteinwirkungen von Tierarznei

24.02.2015

1. Briefing zum EU-Tierarzneimittelpaket

Was ist das EU-Tierarzneimittelpaket?
Das EU-Tierarzneimittelpaket besteht aus insgesamt drei Verordnungsvorschlägen der Europäischen Kommission. Das Europäische Parlament wird diese Gesetzesvorschläge 2015 diskutieren und weiterentwickeln. Das Augenmerk meiner Arbeit im Europäischen Parlament an den Verordnungsvorschlägen wird dabei besonders darauf liegen, wie der Einsatz von Antibiotika geregelt wird. Momentan werden Antibiotika sowohl in der Human- als auch in der Tiermedizin leider viel zu oft und falsch eingesetzt - mit verheerenden Auswirkungen auf die Gesundheit von Mensch und Tier sowie auch die Umwelt. Als Schattenberichterstatter für alle drei Verordnungsvorschläge werde ich mich dafür einsetzen, dass die Verordnungen die richtigen Prioritäten setzen.

Weiterlesen: Briefing zum EU-Tierarzneimittelpaket (pdf)

16.01.2015

Was steckt im EU-Tierarzneimittel-Paket?

Im September 2014 hat die Generaldirektion Gesundheit und Lebensmittelsicherheit insgesamt drei Verordnungsvorschläge für Tierarzneimittel und Arzneifuttermittel verabschiedet. Diese werden in den nächsten Monaten im Agrar- (Arzneifuttermittel) bzw. Umweltausschuss (Tierarzneimittel) diskutiert. Als Schattenberichterstatter im Agrar-und Umweltausschuss werde ich mich dafür einsetzen, dass die Verordnungsvorschläge die richtigen Prioritäten setzen. Bislang liegt der Schwerpunkt zu sehr auf den Verkaufsinteressen der Pharmaindustrie und nicht darauf, die Verabreichung von Arzneimitteln möglichst einzudämmen.
Insgesamt muss in diesem Zusammenhang das Ziel sein, Ursachen- statt Symptombekämpfung zu betreiben: Robuste Rassen statt maximaler Leistung, mehr Auslauf für die Tiere und eine Verringerung der Viehdichte kämen der Tiergesundheit zugute und würden die Arzneimittel-Verabreichung stark verringern. Gerade die Verabreichung als Futterzusatz, stellt, die mit Abstand am wenigsten spezifische Behandlungsform dar und muss daher für Antibiotika ganz ausgeschlossen werden.

30.07.2013

Exzessiven Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung endlich beenden!

Die neusten veröffentlichten Daten des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) zeigen dringenden Handlungsbedarf. Dem maßlosen Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung muss endlich ein Riegel vorgeschoben werden,  so der Europaabgeordnete und agrarpolitische Sprecher der Grünen, Martin Häusling:

„Die vorgelegten ausgewerteten Zahlen des BVL belegen ganz eindeutig: Wir brauchen endlich eine Gesetzgebung in Deutschland und Europa, die den übermäßigen  Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung eindämmt.
Es ist nicht zu tolerieren, dass im Jahr 2011 alleine im Kreis mit der Postleitzahl 49, also in den Hochburgen der Massentierhaltung in der intensiven Mast (u.a. Osnabrück, Münster Vechta) etwa ein Drittel der gesamten Antibiotikamenge ‑ ca. 700 Tonnen ‑ verabreicht wird (siehe Karte).
Über die Datenerfassung hinaus brauchen wir einen Reduktionsplan wie in Dänemark oder den Niederlanden, der Reduktionsziele verbindlich festschreibt. Zum anderen muss die Verschreibungspraxis der Tierärzte überprüft werden.