Grüne Europagruppe Grüne EFA

Brüssel - Zur gestrigen Anhörung „Milchpaket und Vorausschau für den Milchsektor“ in Brüssel erklärt Martin Häusling, Mitglied des Agrarausschusses und Koordinator der Grünen/EFA im Europäischen Parlament:

„Es ist erschreckend, wie sehr der blinde Glaube an den sogenannten freien Markt nach wie vor das Denken von Experten bestimmt. Anstatt in Europa stabile regionale Märkte mit qualitativ hochwertigen Produkten zu entwickeln und die Produktion am europäischen Verbrauch zu orientieren, wird an der überholten Exportorientierung und Marktliberalisierung festgehalten“,  kommentiert Martin Häusling die Anhörung im Agrarausschuss.
 
„Die Export-Ausrichtung bringt große Nachteile mit sich. Weder der russische noch der chinesische Markt sind als Handelsplatz sicher, wie die aktuelle Lage zeigt. Krisen werden wegdiskutiert. Stattdessen verbreitet die EU-Kommission zwanghaften Optimismus. Der einzige konstruktive Vorschlag, wie in einer Krise ein Marktgleichgewicht ansatzweise wieder hergestellt werden könnte, kam vom European Milk Board mit seinem Marktverantwortungsprogramm.

Denn das Milchpaket hat nicht wirklich weitergeholfen. Die Aufforderung zur Bündelung der Landwirte geht ins Leere, solange es restriktive Bündelungsgrenzen gibt. Versicherungen, die Landwirte gegen Preisschwankungen abschließen sollen, wälzen die Probleme eines deregulierten Marktes wieder nur auf die Produzenten ab. Genossenschaften werden im Milchbereich immer größer. Der Einfluss der Genossenschaftsmitglieder aber schrumpft, Gewinne werden nicht an Erzeuger weitergegeben. Regionen verlieren Verarbeitungsstrukturen und damit Arbeitsplätze und Wertschöpfung.

Die Intensivierung und extreme Rationalisierung der Produktion geht außerdem auf Kosten der Tiergesundheit, der Biodiversität, des Klimas und der Produktqualität. Wenn nun  Regionen, die nicht intensiv produzieren können, über eine Art Biotoppflege mit weiteren öffentlichen Geldern unterstützt werden, dann führt das in Europa zu einer Auseinanderentwicklung von Schmutz- und Schutzregionen. Das ist teurer Unsinn und  entspricht nicht dem europäischen Ziel der nachhaltigen Entwicklung ländlicher Räume.

Wir brauchen in Europa die Herstellung eines ausgewogenen Verhältnisses von Angebot und Nachfrage. Wir brauchen die Schaffung von Wertschöpfung durch „Mehr-Wert“ über eine stärkere Förderung von – auch handwerklicher - Qualitätsproduktion und Produktinnovation im Molkereiwesen. Die Überschwemmung des Marktes mit Basis-Produkten, die sich NUR im Preis voneinander unterscheiden, muss abgebaut werden. Wir Grüne wollen eine Lebensmittelkennzeichnung, die auch die Prozessqualität abbildet. Für Verbraucher spielt bei der Erwartung an Qualität heute neben Sicherheit und gesundheitlicher Unbedenklichkeit die Prozessqualität (Anbausysteme, Umweltverträglichkeit, Tiergerechtheit) eines Lebensmittels eine immer größere Rolle. Diese Qualitätsunterschiede sollten auch bei Milch erkennbar gemacht werden.“

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