Grüne Europagruppe Grüne EFA

Zur Stallpflicht wegen Vogelgrippe
Zur seit drei Monaten anhaltenden Stallhaltungspflicht für Geflügel und den nunmehr drohenden Vermarktungseinschränkungen aufgrund der Vogelgrippe, appelliert Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen/EFA im Europäischen Parlament und Mitglied im Umweltausschuss:

„Ich fordere Agrarkommissar Phil Hogan auf, sich bei der Freilandhaltung an der Rechtsauslegung der deutschen Bundesländer für die Biohaltung zu orientieren. Die Länder erlauben auch künftig die Vermarktung mit Bio-Label, und zwar aus guten Gründen: Man betrachtet die Vogelgrippe als höhere Gewalt und als Ausnahmefall, womit kein beabsichtigter Betrug vorliegt. Überdies beinhaltet die Biohaltung mehr als nur den Auslauf ins Freie.
Ganz ähnlich verhält es sich bei der konventionellen Freilandhaltung: Die Landwirte haben in eine artgerechtere Tierhaltung investiert und sind nun durch monatelange Stallpflicht aufgrund der Vogelgrippe wirtschaftlich stark belastet. Müssen die Hennen wegen der Aufstallungsverordnung länger als 12 Wochen im Stall bleiben, dürfen die Halter die Eier laut EU-Verordnung nicht mehr als Freilandeier verkaufen, sondern nur als billigere Eier aus Bodenhaltung. Genau wie die Biobauern können sie die Ursachen der akutellen Stallhaltung aber nicht beeinflussen. Die derzeitigen Umstände bedrohen ihre Existenz, da sie ihre höheren Kosten nun wegen des Preisunterschiedes nicht mehr decken können. Gerade diejenigen, die Verbraucherwünsche nach mehr Tierschutz erfüllen, würden finanziell erheblich benachteiligt. Dies kann dazu führen, dass die erfolgreiche Entwicklung in Richtung mehr Tierschutz bei der Geflügelhaltung um Jahre zurückgeworfen wird.
In einer Sondersitzung des Agrarausschusses des EU-Parlaments zeigte sich die EU-Kommission am Mittwoch nicht gerade als Verteidiger fortschrittlicher Haltungsformen. Während man im Gemüsesektor bei höherer Gewalt auf EU-Ebene gerne Ausnahmen erteilt, zeigte sich Kommissar Hogan in diesem Fall völlig unbeeindruckt vom wirtschaftlichen Schaden für die Erzeuger.
Die Nachfrage nach Bio- und Freilandeiern wächst seit Jahren schneller als das Angebot. Wir müssen diese Entwicklung in Europa fördern und nicht be- oder gar verhindern, indem Erzeuger aufgrund von Aufstallpflichten ihre Vermarktung verlieren.“

Veranstaltungshinweis: Seit 2012 ist die alte Käfighaltung in Europa verboten. Die Haltung in ausgestalteten Käfigen ist ab 2016 nicht mehr erlaubt. Freiland- und Biohaltung müssen daher gefördert werden. Seit langem setze ich mich auch dafür ein, dass alte Käfige nicht in Drittländer verscherbelt werden und dort mit Europäischen Geldern Hühnerfarmen aufgebaut werden, deren Eier dann unseren Produzenten Konkurrenz bereiten. Darum geht es auch in dem von mir mitveranstalteten Fachgespräch in Brüssel am 8. Februar.

Fachgespräch "Investing in animal suffering?" Programm

Siehe auch: Das Käfigei kommt als Bummerang zurück!

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