Grüne Europagruppe Grüne EFA

Der Deutsche Tierschutzbund bringt zusammen mit der Fleischindustrie ein zweistufiges Tierschutzlabel heraus. Dazu erklärt der Europaabgeordnete der Grünen, Martin Häusling:
 
„Das zweistufige Tierschutz -Label grenzt an Verbrauchertäuschung. Es ist voraus zu sehen, dass die Mehrheit der Kunden zu Produkten der preiswerteren ersten, nur mit einem Stern gekennzeichneten Ware greifen wird. In guten Glauben, dass sie damit den Tieren im Stall ein besseres Leben verschaffen würden. Das ist aber kaum der Fall. Die niedrigere Ein-Stern-Stufe bringt nur geringfügige Verbesserungen gegenüber den bisherigen konventionellen Standards der Fleischindustrie. In den ersten drei Jahren ist weiter der Einsatz von gentechnisch verändertem Futter statthaft, und selbst in der Premium-Stufe sind weiter Spaltenböden erlaubt.

Der Deutsche Tierschutzbund tut weder sich noch den Tieren einen Gefallen, wenn er statt auf lokale Metzger, regionale Warenströme und bäuerliche Familienbetriebe zu setzen ein Systeme favorisiert, das für die Massentierhaltung, Billiglöhne und Exportorientierung steht. Ich vermisse das „ganzheitliche Konzept“ hinter dem Label, wie es der ökologische Landbau verkörpert. Unterstützt wird stattdessen eine nicht an den Boden gebundene Landwirtschaft, die sich das benötigte Futter nicht von den eigenen Feldern holt, sondern mindestens teilweise aus Übersee beschafft. Es bleibt völlig unerklärlich, warum der Tierschutzbund seiner von ihm mit gegründeten Organisation Neuland mit diesem Label in den Rücken fällt und derart eng mit der Industrie zusammenarbeitet. Das Fleischprogramm von Neuland gilt als Vorreiter im Tierschutz.

Dass die deutsche Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner das Label des Tierschutzbundes begrüßt, ist kein Wunder. Schließlich ist es ihr nicht gelungen, ein eigenes europaweites Siegel zu etablieren.“

Häusling kritisiert zugleich die mangelnde Kontrolle des Labels. „Im Gegensatz zum Ökolandbau, wo die Einhaltung der Richtlinien staatlich überwacht wird,  soll das Tierschutzlabel privat kontrolliert werden. Eine solche Kontrolle aber hat sich in der Vergangenheit stets als schwach und voller Schlupflöcher erwiesen, wie etliche Skandale leider gezeigt haben.“

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