Grüne Europagruppe Grüne EFA

Wiesbaden - Zur Beratung im EU-Fachausschuss über eine Verlängerung der Zulassung des Total-Herbizid-Wirkstoffs Glyphosat erklärt der Europaabgeordnete und agrarpolitische Sprecher der Grünen/EFA im Europäischen Parlament, Martin Häusling:

„Unabhängig davon, wie die 28 Mitgliedsstaaten im Fachausschuss die Frage der Genehmigung abschließend beurteilen, fordere ich die EU-Kommission auf, endlich zur Vernunft zu kommen. Es ist dreist, dass die Kommission aus der langen, intensiv geführten Debatte um das Totalherbizid nichts gelernt hat. Sie ignoriert komplett die Ergebnisse der Studie der internationalen Krebsforschungsagentur der WHO, IARC, die klar einen Zusammenhang zum Krebsrisiko hergestellt hat, das von Glyphosat ausgeht. Daran ändert auch die jetzige Stellungnahme des Pestizidausschusses der WHO nichts, der sich bereits in früheren Jahren in dieser Richtung geäußert hatte und der unter anderem im Verdacht einer durchsichtigen personellen Verquickung steht. Die Stellungnahme des Pestizidausschusses ist risikobasiert, in Europa muss aber – schon bei einem Verdacht auf Gesundheitsschädigung - das Vorsorgeprinzip greifen.
Bleibt die Kommission stur, sehe ich darin einen Kniefall vor der Lobby der Agrarindustrie, der auch nicht dadurch gemildert wird, dass die neue Genehmigung nun auf neun Jahre beschränkt werden soll – nach dem zuvor sogar 15 statt der üblichen zehn Jahre im Gespräch waren.
Es gibt überhaupt keinen Grund, diesen äußerst umstrittenen, unter Krebsverdacht stehenden Stoff erneut zu genehmigen. Eine Landwirtschaft ohne Glyphosat ist möglich, das beweisen Tausende von Bio-Bauern in Deutschland und anderen Teilen Europas.
In der EU gilt  das Vorsorgeprinzip. Wird Glyphosat zugelassen oder werden nicht wenigstens deutliche Anwendungsbeschränkungen verhängt, dann wird dieses bisher stets hoch gehaltene Prinzip missachtet. Dies wäre ein Schlag ins Gesicht für Umwelt- und Verbraucherschutz. Und es verhindert Innovationen hin zu einer nachhaltigeren Landwirtschaft.
Darüber hinaus sieht die Kommission keine Beschränkungen für die Anwendung im Privatbereich vor und nimmt zwar den Begriff Biodiversität auf, verknüpft ihn aber mit keinerlei echten Auflagen. Dies geht auch an den Vorstellungen des Parlaments vorbei, dessen Beschluss vom April schlicht übergangen wird.“

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